Posted in: Biologie 19. September 2012 01:01 Weiter lesen →

Forscher: Schlangen haben unterirdische Wurzeln

Nahaufnahme einer bleistiftminendünnen Blindschlange mit rundem Kopf, winzigen Schuppen und kleinen dunklen Punkten als Augen Schlangen finden sich heute in fast allen Regionen und Lebensräumen der Welt. Dieser Erfolg hat unscheinbare Wurzeln, haben amerikanische Forscher im Rahmen eines großangelegten DNA-Vergleichs ermittelt. Fast alle modernen Schlangen gehen demnach auf eine Gruppe von Kriechtieren zurück, deren heutige Vertreter sich durch den Boden graben und eher an Würmer denn an Reptilien denken lassen.

Blindschlangen wie der weniger als bleistiftdünne Ramphotyphlops braminus spiegeln vielleicht die Urform der modernen Schlangen wider. Foto: Hinrich Kaiser et al., ZooKeys 109 (2011), 19–86 (Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

„Dieses Resultat legt den Schluss nahe, dass die Schlangen ursprünglich im Boden lebten“, folgern die Forscher um John Wiens von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York. Selbst Riesen wie Boas und Pythons könnten letztlich von kleinen, unterirdisch lebenden Ahnen abstammen, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Biology Letters“.

Wiens und Kollegen stützen ihre Vermutung auf den Vergleich von 44 Genen bei 161 Arten von Schuppenkriechtieren. Diese Gruppe umfasst Echsen und Schlangen und damit den größten Teil der rund 9.000 Reptilienspezies. Dagegen bringen es die drei übrigen Gruppen – Schildkröten, Krokodile und die urtümlichen Brückenechsen – zusammen auf nur auf wenige Hundert Arten.

Der Vergleich der Sequenzdaten mit zwei verschiedenen Methoden lieferte identische und höchst überraschende Resultate, berichten die Forscher. Demnach bilden die flinken Geckos und ihre Verwandtschaft (Gekkota) mit den grabend lebenden, wurmförmigen Schlangenschleichen (Dibamidae) einen gemeinsamen Ast im Stammbaum, der sich schon früh von der Linie aller anderen Schuppenkriechtiere abgespalten hat.

Damit nicht genug, entspringt die Linie der heutigen Schlangen aus der Gruppe der Blindschlangenartigen (Scolecophidia). Diese wurmähnlichen, mitunter nicht einmal fingerlangen Tiere leben in tropischen Böden und galten bislang als Schwestergruppe der modernen Schlangen. Tatsächlich könnten sie jedoch die Urform der Schlangen widerspiegeln, so Wiens und Kollegen. Falls diese Vermutung zutreffe, habe erst das Verlassen des Erdreichs den evolutionären Erfolg der Schlangen begründet.

Forschung: John J. Wiens, Department of Ecology and Evolution, Stony Brook University, Stony Brook; Tod W. Reeder, Department of Biology, San Diego State University, San Diego; und andere

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2012.0703

WWW:
Wiens Lab, Stony Brook University
Deep Scaly
Schuppenkriechtiere

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