Posted in: Biologie 12. September 2012 01:01 4 Kommentare Weiter lesen →

Wilde Jungfernzeugung

Nahaufnahme zeigt aufgerollte kleinere Schlange, zwischen den Windungen einer größeren liegend, beide rotbraun getigert Obwohl die meisten Tierarten zwei Geschlechter haben, kommt es in der Natur selbst bei Wirbeltieren immer wieder zu Jungfernzeugungen. Diese Ansicht bekräftigen Beobachtungen amerikanischer Biologen an Schlangen. In zwei Fällen bekamen frisch aus der Wildbahn gefangene Weibchen Nachwuchs, der keinen Vater hatte.

Die Kupferkopfotter und ihr parthenogenetisch entstandener Sohn. Foto: Copyright Charles Smith & Pam Eskridge

Zwar sei diese Art der Vermehrung schon mehrmals bei Haien, Vögeln, Schlangen und anderen Reptilien beobachtet worden, schreiben Warren Booth von der North Carolina State University und seine Kollegen im Fachblatt „Biology Letters“. In sämtlichen Fällen hätten die Tiere jedoch schon längere Zeit in Gefangenschaft gelebt oder seien dort geboren worden.

Die neuen Resultate belegten dagegen erstmals, dass die Jungfernzeugung oder Parthenogenese auch unter natürlichen Bedingungen und selbst bei Spezies mit einem deutlichen Männchenüberschuss vorkomme, so die Forscher. „Die fakultative Parthenogenese kann daher nicht länger als kuriose Randerscheinung der Wirbeltierevolution angesehen werden“, folgern sie.

Im Rahmen eines großangelegten Forschungsprogramms hatten Booth und Kollegen mehrere Kupferkopf- und Wassermokassinottern (Agkistrodon contortrix bzw. A. piscivorus) gefangen, darunter mehrere trächtige Weibchen. Die lebendgebärenden Tiere produzierten wenig später insgesamt 59 Würfe, die in 2 Fällen lediglich aus einem einzigen Männchen bestanden. Eine genetische Untersuchung bestätigte den Verdacht, dass sich diese Nachkommen ohne Zutun eines Vaters entwickelt hatten.

Booth und Kollegen verglichen 7 bzw. 8 besonders variable Erbgutregionen bei den beiden Müttern und ihren Nachkommen. Die Muttertiere hatten von ihren Eltern fast durchgängig unterschiedliche Varianten dieser Mikrosatelliten geerbt. Ihre Nachkommen besaßen dagegen stets eine der mütterlichen Varianten in doppelter Ausführung. Aufgrund dieser und weiterer Beobachtungen schätzen die Forscher die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Zeugung doch ein Vater im Spiel war, auf höchstens 1 zu 40 Millionen.

Beide Jungtiere hätten sich weder körperlich noch in ihrem Verhalten von gleichaltrigen Artgenossen unterschieden, berichten Booth und Kollegen. Die junge Wassermokassinotter haben die Forscher wieder in die Freiheit entlassen. Im Fall des parthenogenetisch entstandenen Kupferkopfes warten sie dagegen gespannt darauf, dass das Tier die Geschlechtsreife erreicht. Sollte sich das Männchen als fruchtbar erweisen, würde dies die Ansicht stärken, dass gelegentliche Jungfernzeugungen für Wirbeltierspezies einen Überlebensvorteil mit sich bringen können.

Forschung: Warren Booth, Department of Entomology und Keck Center for Behavioral Biology, North Carolina State University, Raleigh; Charles F. Smith, Pamela Eskridge und Gordon W. Schuett, Copperhead Institute, und Biology Department, Wofford College, Spartanburg; und andere

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2012.0666

WWW:
Warren Booth, North Carolina State University
Charles Smith, Wofford College
Dreieckskopfottern
Parthenogenesis

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Reaktionsstarke Blattläuse
Betrügerische Schwestern

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4 Kommentare zu "Wilde Jungfernzeugung"

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  1. Das Ende des Sex | 15. September 2012 08:41
  1. Daniel Harker sagt:

    “Die Muttertiere hatten von ihren Eltern fast durchgängig unterschiedliche Varianten dieser Mikrosatelliten geerbt. Ihre Nachkommen besaßen dagegen stets eine der mütterlichen Varianten in doppelter Ausführung.”
    Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Satz wirklich von den beiden Biologen kommt, oder nicht vielleicht doch von einem Journalisten. Bei der Parthenogenese haben nämlich die Nachkommen die gleichen Gene wie die Mutter, und nicht eine Hälfte doppelt, da sich nicht ein Chromosomensatz verdoppelt, sondern die beiden bei der Reifeteilung getrennten Chromosomensätze wiedervereinigen.

  2. Meinke sagt:

    Hallo, der Satz gibt das wieder, was die beiden Biologen schreiben. Die männlichen Jungtiere waren keine Klone ihrer Mütter, sondern Halbklone (ZW/ZZ-System mit homozygoten Männchen). Die Vermutung ist, dass eine Art Pseudobefruchtung der Oozyte durch einen Polkörper aus der M2 stattgefunden hat (Automixis).

    • Daniel Harker sagt:

      Der Polkörper aus der zweiten Reifeteilung entsteht ja erst durch die Befruchtung; das kann also nicht sein. Wenn, dann ist es der erste, und der ist komplementär zum Eizellen-Chromosomensatz.
      Ich habe auch noch nie klar ausformuliert gelesen, dass das Jungtier zwei idente Chromosomensätze hat. Das war immer nur zweideutig und unklar beschrieben. Es hätte mich auch gewundert, weil das Verdoppeln eines Chromosomensatzes bis jetzt in der Natur nicht bekannt war.
      Aber ich werde einmal nachfragen. Vielleicht wurde tatsächlich etwas Neues entdeckt.

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