Posted in: Biologie 24. August 2012 13:48 1 Kommentar Weiter lesen →

Betrogene singen lauter

Steinsperlinge sind soziale Vögel, die in kleinen Schwärmen leben. Sie gehen Partnerschaften ein, sind sich aber nicht sonderlich treu. Gerade ältere Männchen werden von ihren Weibchen häufiger betrogen. Wie Biologen beobachtet haben, reagieren die Männchen auf den Betrug mit lauterem Gesang. Demnach spiegeln das Tempo, die Tonhöhe und die Lautstärke des Gesanges den Fortpflanzungserfolg der Männchen wider.

Forscher unter der Leitung von Henrik Brumm vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben die Gesänge von Steinsperlingen (Petronia petronia) in den französischen Alpen untersucht. Dazu zeichneten sie in zwei aufeinanderfolgenden Brutzeiten die Rufe der Vögel auf und legten besonderes Augenmerk auf die Lautstärke des Gesanges – ein bisher vernachlässigter Parameter in der Verhaltensforschung, so die Forscher.

Beobachtet wurden Vögel, die in hölzernen Nistkästen an Strommasten brüteten. Die Forscher konnten ihre Mikrofone an den Masten anbringen und so den Schalldruckpegel zuverlässig messen. Zusätzlich führten sie bei über 50 Männchen Vaterschaftsanalysen durch.

Steinsperlinge am Nistkasten. Foto: Henrik Brumm/MPI für Ornithologie Zwei Steinsperlinge auf ihrem Nistkasten

Steinsperlinge singen einen sehr einfachen Gesang, der nur aus einer Silbe besteht, die mehrere Male wiederholt wird. Überraschenderweise zeigte sich zunächst, dass die Vögel, die in höherer Tonlage sangen, mehr Nachwuchs in fremden Nestern zeugten. Die erfolgreicheren Männchen waren dagegen meist älter und unterschieden sich von den jungen, einjährigen Rivalen durch ihr langsameres Gesangstempo.

Ältere Männchen hätten einen höheren Status und müssten diesen vermutlich nicht im Gesang zeigen, vermuten die Forscher. Die älteren Männchen hatten aber auch mehr Fremdvaterschaften im eigenen Nest und sangen auch öfters mit höherer Lautstärke als ihre jüngeren Nebenbuhler.

“Der lautere Gesang von Männchen, die ihre Vaterschaft an Rivalen verlieren, ist daher kein Qualitätsmerkmal, sondern vermutlich der vergebliche Versuch, den untreuen Partner stärker an sich zu binden”, sagt Erwin Nemeth, Erstautor der Studie. Die älteren Männchen könnten ihren Verlust an Vaterschaften im eigenen Nest durch mehr Nachkommen in fremden Nestern wettmachen, den jüngeren einjährigen Männchen hingegen bleibe nur übrig, auf bessere Zeiten im nächsten Jahr zu warten.

Forschung: Erwin Nemeth, Bart Kempenaers, Giuliano Matessi und Henrik Brumm, Online-Veröffentlichung in PLoS One, 23.8.2012, doi:10.1371/journal.pone.0043259

WWW:
Veröffentlichung in PLoS One
Steinsperling
Max-Planck-Institut für Ornithologie

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1 Kommentar zu "Betrogene singen lauter"

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  1. YeRainbow sagt:

    “Betrogen”, “untreuen Partner” binden wollen…
    Da zeigt man mal wieder, wie die eigene Welt aussieht, nicht?
    Und ignoriert dabei
    – weibliches Partnerwahlprinzip
    – Selektionsvorgänge
    – Ausleseverfahren zum Überlebensvorteil etc.

    alles biologisch. Moral? Paßt nicht.

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