Posted in: Genetik, Gesundheit 22. August 2012 19:26 Weiter lesen →

Alte Väter, mehr Mutationen

Bläulich eingefärbte EM-Aufnahme zeigt Spermium mit eiförmigem Kopf, kurzem Mittelstück und langem, dünnen Schwanzstück Männer bleiben zwar bis ins hohe Alter zeugungsfähig, doch auch für sie tickt eine biologische Uhr. Wie stark sich das Alter des Vaters auf der Ebene des Erbguts auswirkt, haben isländische Forscher im Detail untersucht. Je zusätzlichem Lebensjahr des Vaters weist das Genom des Nachwuchses demnach 2 zusätzliche Mutationen auf, die erst bei der Bildung der Spermien aufgetreten sind.

EM-Aufnahme: University of Montreal and Maisonneuve-Rosemont Hospital Research Center

„Dass die Zahl der Mutationen mit dem Alter des Vaters in Zusammenhang steht, ist keine Überraschung“, schreiben die Forscher um Augustine Kong von der isländischen Firma Decode Genetics im Magazin „Nature“. Die Stärke des beobachteten Effekts sei jedoch verblüffend – ebenso wie die Tatsache, dass väterlicherseits sehr viel mehr Mutationen aufträten als mütterlicherseits.

Kong und seine Kollegen analysierten für ihre Studie das Erbgut von 219 Isländern, die insgesamt 78 Trios aus Elternpaar und Kind bildeten. Die Statistiker und Genetiker sequenzierten das Genom der Personen vollständig und fanden pro Trio durchschnittlich 63 Punktmutationen, die nicht im Erbgut der Eltern, wohl aber in dem ihres Kindes vorhanden waren.

In fünf Fällen, in denen auch das Erbgut eines Enkelkinds zur Verfügung stand, ließ sich die Herkunft der Mutationen zuverlässig bestimmen. Bei der Bildung der weiblichen Eizelle waren demnach nur etwa 14 Mutationen aufgetreten, die übrigen bei der Bildung der männlichen Spermien.

Die statistische Analyse ergab, dass die Zahl der Mutationen mit dem Alter der Eltern bei der Zeugung steigt, wobei das Alter des Vaters die weitaus größere Rolle spielt: Ein 20 Jahre alter Mann gibt demnach rund 25 neue Mutationen an seine Kinder weiter, ein 40 Jahre alter Mann dagegen etwa 65.

Die neuen Resultate stehen im Einklang mit der stark unterschiedlichen Bildung von Eizellen und Spermien. Eine Frau besitzt schon vor ihrer Geburt ihren kompletten Bestand potenzieller Eizellen, die zudem in einer Art Ruhezustand verharren. Beim geschlechtsreifen Mann werden dagegen zeitlebens neue Spermien aus alternden Vorläuferzellen gebildet. Nach Ansicht Kongs und seiner Kollegen könnte hier eine Erklärung dafür liegen, dass auf Island und in anderen Ländern, in denen Paare immer später Kinder bekommen, eine steigende Häufigkeit von Autismus und anderen Erkrankungen beobachtet wird.

Forschung: Augustine Kong, Michael L. Frigge und Kári Stefánsson, Decode Genetics, und Faculty of Medicine, University of Iceland, Reykjavík; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 488, 23. August 2012, pp 471–5, DOI 10.1038/nature11396

WWW:
Decode Genetics
Vergleich Spermatogenese und Oogenese

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Mit dem Mann altern seine Spermien

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1 Kommentar zu "Alte Väter, mehr Mutationen"

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  1. Katja sagt:

    Kinder älterer Väter leben länger
    Children with older fathers and grandfathers ‚live longer‘
    Quelle: http://www.bbc.co.uk/news/health-18392873
    Ist eigentlich auch logisch, wenn ein 70-jähriger noch zeugen kann, muss das Erbgut besser sein.