Posted in: Anthropologie 20. August 2012 21:00 Weiter lesen →

Homo sapiens: Zügig nach Asien

Fotos zeigen Schädelkalotte in Frontalansicht, Oberkiefer in Ansichten von vorne und unten Nachdem er seine afrikanische Wiege verlassen hatte, gelangte der moderne Mensch recht bald nach Südostasien. Diese Ansicht bestätigen Schädelknochen, die französische und amerikanische Forscher in Laos gefunden haben. Die möglicherweise über 60.000 Jahre alten Knochen weisen anatomisch moderne Merkmale auf und passen daher gut zu Schlussfolgerungen aus genetischen Untersuchungen.

Fotos: Laura Shackelford

Die Kombination aus modernen Merkmalen und vergleichsweise sicher bestimmbarem Alter machten das Fossil zu einem ganz besonderen Fund, erläutert Laura Shackelford von der University of Illinois. „Es gibt weitere menschliche Fossilien in China und auf den südostasiatischen Inseln, die ähnlich alt sein könnten“, so die Anthropologin. „Diese sind jedoch nicht verlässlich datierbar oder weisen keine definitiv modernen Merkmale auf.“

Die Gruppe um Shackelford und ihren Kollegen Fabrice Demeter vom Pariser Naturkundemuseum hatte die Knochen im Jahr 2009 in einer Höhle im Norden von Laos entdeckt. Die „Höhle der Affen“, Tam Pa Ling, liegt rund 250 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Vientiane in einem Karstgebiet.

Vom Höhleneingang führt eine steil abfallende Passage rund 30 Meter weit in den Kalkstein, um sich dann zu einer geräumigen Kammer zu erweitern. Deren Boden ist meterhoch bedeckt mit eingeschwemmtem Sediment aus Kalk, Quarz und anderen Mineralien, die schon anhand ihrer Farbe gut unterscheidbare Schichten bilden.

In dem säuberlich geschichteten Sediment stießen die Forscher in 2,35 Meter Tiefe auf ein menschliches Schädeldach sowie einen Oberkiefer mit beinahe vollständiger Bezahnung. Daneben fanden sich Knochen von Kleinsäugern und Reptilien, allerdings keine Werkzeuge oder sonstige Artefakte – die Höhle scheint also nicht als Behausung genutzt worden zu sein. Für das Sediment in der Fundtiefe ergab die Lumineszenzdatierung ein Alter von 46–51.000 Jahren, für den Schädelknochen selbst lieferte die Uran-Thorium-Datierung ein Alter von 46–63.000 Jahren.

Gemessen an dem vollständigen Fehlen eines Überaugenwulstes und weiteren Merkmalen stammten die Knochen eindeutig von einem anatomisch modernen Menschen, schreiben Demeter, Shackelford und Kollegen in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Damit sei der Fund aus der Höhle der Affen rund 20.000 Jahre älter als andere Funde in Südostasien, die sich ähnlich sicher dem modernen Homo sapiens zuordnen ließen.

Forschung: Fabrice Demeter und José Braga, Département Hommes, Natures, Sociétés, Muséum national d’Histoire Naturelle, Paris, und Formation de Recherche en Evolution, Université Paul Sabatier, Toulouse; Laura L. Shackelford, Department of Anthropology, University of Illinois at Urbana-Champaign, Urbana; Anne-Marie Bacon, CNRS-Unité Propre de Recherche 2147, Paris; und andere

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.1208104109

WWW:
Muséum national d’Histoire Naturelle
Laboratoire Éco-anthropologie et Ethnobiologie
Department of Anthropology, University of Illinois Urbana-Champaign
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