Posted in: Biologie 1. August 2012 08:53 0 Kommentare Weiter lesen →

Evolutionärer Schlendrian bei Faultieren

Foto zeigt Faultier mit hellbraunem Fell und gescheiteltem Kopfhaar, im dichten Blätterdach hängend Indem die Faultiere die Langsamkeit entdeckten, stellte sich in Teilen ihres Körpers ein gewisse Nachlässigkeit ein. Entsprechende Hinweise haben Forscher aus Bonn und Cambridge gefunden. Das Gleichgewichtsorgan der Tiere weist demnach eine verblüffende Schwankungsbreite in Form und Größe auf – möglicherweise, weil es kaum noch gefordert ist.

Foto: D. Gordon E. Robertson via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Faultiere legten am Tag nur in Ausnahmefällen mehr als 100 Meter zurück und das zudem sehr langsam, erläutern die Forscher um Guillaume Billet von der Universität Bonn in den „Proceedings of the Royal Society B“. Daher bestätigten die Tiere vielleicht eine schon von Charles Darwin angestellte Vermutung, der zufolge ein Organ besonders variabel sei, wenn es nicht mehr benötigt werde und daher keine Angriffsfläche für die natürliche Auslese biete.

Billet und Kollegen untersuchten hochauflösende Computertomogramme von 65 Säugertierschädeln, darunter solche von Faultieren, Gürteltieren, Ameisenbären sowie von Eichhörnchen und Maulwürfen. Die Vermessung der digitalen Modelle des Innenohrs ergab beim Braunkehl-Faultier (Bradypus variegatus) eine Schwankungsbreite, die mindestens doppelt so groß war wie bei den übrigen Spezies.

Besonders deutlich zeigte sich die Variabilität bei der Orientierung der drei Bogengänge im Innenohr, mit denen Drehbewegungen registriert werden. Bei 7 ausgewachsenen Braunkehl-Faultieren variierte der Winkel zwischen vorderem und seitlichem Bogengang von 43 bis 87 Grad. Eine solche Bandbreite werde sonst nur von Vertretern verschiedener Säugetierordnungen abgedeckt, so die Forscher.

Auch bei zwei weiteren Faultierspezies zeigte sich die große Schwankungsbreite im Bau des Gleichgewichtsorgans. Gürteltier und Ameisenbär, die zur gleichen zoologischen Ordnung gehören wie die Faultiere, sich aber mehr und schneller bewegen, fielen dagegen nicht durch eine gesteigerte Variationsbreite auf. Nach Ansicht Billets und seiner Kollegen bekräftigt dieser Umstand den Verdacht, dass sich bei den Faultieren die geringe Mobilität bemerkbar macht.

Forschung: Guillaume Billet und Irina Ruf, Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Lionel Hautier und Robert J. Asher, Department of Zoology, University of Cambridge; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2012.1212

WWW:
Säugerpaläontologie, Uni Bonn
Mammal Evolution and Morphology Group, University of Cambridge
Xenarthra
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