Posted in: Biologie 23. Juli 2012 18:23 Weiter lesen →

Lauter Sex gefährdet Fliegen

IR-Aufnahme einer kleinen Fledermaus mit großen, spitzen Ohren, vergleichsweise winzigen Augen und dichtem Pelz Wer liebt, lebt mitunter gefährlich. Das gilt auch für Stubenfliegen, haben deutsche Forscher durch Studien in einem hessischen Kuhstall zeigen können. Die lauten Geräusche, die die Insekten bei der Paarung produzieren, erregen leicht die Aufmerksamkeit jagender Fledermäuse.

Foto: Copyright Stefan Greif

An der Stalldecke sitzende oder laufende Fliegen lösten bei keiner von fast 9.000 Beobachtungen einen Fledermausangriff aus, berichtet die Forschergruppe von Björn Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie im Fachblatt „Current Biology“. Kopulierende Fliegen wurden dagegen sehr häufig attackiert: Über einen Beobachtungszeitraum von 4 Jahren erwischte es durchschnittlich jedes vierte Paar.

Die Forscher aus Seewiesen, Tübingen und Marburg stellten ihre Beobachtungen in einem Stall an, in dem sie mehrere Kameras und Mikrofone installiert hatten. Sie fanden, dass die nachts eher trägen Fliegen für die Echoortung jagender Fransenfledermäuse kein leichtes Ziel abgeben, da die Schallechos der kleinen Insekten mit denen des rauen Untergrunds verschmelzen. Sobald sich ein Pärchen findet, macht es jedoch lautstark auf sich aufmerksam.

Während der Begattung schlägt das Fliegenmännchen heftig mit den Flügeln und produziert auf diese Weise laute Geräusche mit einem breiten Frequenzgang bis hin zu 150 Kilohertz. Dieses Ultraschall-Summen wird von den Fledermäusen mit Leichtigkeit erkannt, belegten die Experimente der Wissenschaftler: Spielten sie in dem Stall Aufnahmen der Paarungsgeräusche ab, wurden die Lautsprecher prompt von Fledermäusen angesteuert. Für ein Fliegenpärchen bedeutet ein solcher Angriff in 6 von 10 Fällen das Ende: Es wird von der Fledermaus im Flug mit der Schwanzflughaut von der Decke geschaufelt und umgehend verspeist.

Forschung: Björn M. Siemers, Eva Kriner, Ingrid Kaipf und Stefan Greif, Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen, und Institut für Neurobiologie, Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Matthias Simon, Simon & Widdig Büro für Landschaftsökologie, Marburg

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 22(14), 24. Juli 2012, R536–R564, DOI 10.1016/j.cub.2012.06.030

WWW:
Max-Planck-Forschungsgruppe Sinnesökologie
Fransenfledermaus

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