Auch kleine Vulkanausbrüche können das globale Klima beeinflussen
Bei Vulkanausbrüchen bestimmt die Höhe der Eruptionssäule, wie weit sich die ausgespuckte Mischung aus Magma und Gasen verbreitet. Langfristige Klimaauswirkungen hätten nur die größten Vulkane, glaubten Forscher bisher. Jetzt belegen Messungen, dass auch Aerosole kleiner Eruptionen bis in die Stratosphäre gelangen können.
Der Forschungssatellit Odin. Foto: Swedish Space Corporation
Bisher ging man davon aus, dass die meisten Vulkangase die Troposphäre, die unterste Schicht der Erdatmosphäre, nicht verlassen. Damit würden sämtliche Teilchen nur rund zehn Kilometer weit aufsteigen und relativ schnell wieder absinken. Nur massiven Ausbrüchen großer Vulkane wurde bisher zugetraut, bis in die Stratosphäre in zehn bis 17 Kilometer Höhe zu gelangen.
Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Adam Bourassa vom US-amerikanischen “Institute of Space and Atmospheric Studies” berichtet jetzt im Magazin “Science”, dass auch Gase des vergleichsweise kleinen Vulkans Nabro aus Eritrea bis in die Stratosphäre gelangten. Das belegen Messungen des Instruments OSIRIS an Bord des Forschungssatelliten Odin.
Mit Hilfe der Messdaten rekonstruierten die Forscher die Auswirkungen eines Ausbruchs des Nabro im Juni 2011. Die Wolke aus Asche und Gasen breitete sich damals über das nordöstliche Afrika in Richtung Asien aus. Während die Asche zu Boden sank, gerieten kleinere Teilchen in die Strömung des Monsuns. Die mächtigen Monsunwinde hatten genug Kraft, Aerosole und Tröpfchen über die Troposphäre hinaus zu befördern.
Der Satellit Odin registrierte nach dem Vulkanausbruch die stärkste Anreicherung der Stratosphäre mit Aerosolen, die er jemals innerhalb seines schon zehn Jahre dauernden Einsatzes maß. “Haben die Aerosole erst einmal die Stratosphäre erreicht, können sie sich dort für Jahre halten”, sagt Bourassa, “und dieser lange Zeitraum hat nachhaltige Auswirkungen.”
So verhielt es sich beispielsweise mit den Aerosolen des mächtigen Vulkans Mount Pinatubo auf den Philippinen, der 1991 ausbrach: Weil die Teilchen bis in die Stratosphäre geschleudert wurden und daraufhin weniger Sonnenlicht zur Erdoberfläche durchdrang, sanken die globalen Temperaturen temporär um ein halbes Grad Celsius.
Auch kleinere Vulkanausbrüche hätten offenbar eine stärker kühlende Wirkung auf das Weltklima als bisher vermutet, so die Bilanz der Forscher. Sie hoffen, mit den neuen Messdaten Klimamodelle und Vorhersagen verbessern zu können.
Forschung: Adam E. Bourassa, Alan Robock, William J. Randel, Terry Deshler, u.a.. in “Science” 6.7.2012, Vol. 337 No. 6090, pp. 78-81, DOI: 10.1126/science.1219371
WWW:
Abstract in Science
Satellit Odin
OSIRIS-Homepage
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