Posted in: Biologie 20. Juni 2012 14:17 Weiter lesen →

Zebrafische: Soziales Lernen macht risikofreudig

Wilde Zebrafische, die generell scheuer sind als ihre zahmen Artgenossen, werden nach Kontakt mit diesen risikofreudiger. Gezähmte Tiere werden dabei nicht vorsichtiger. Das belegen Versuche am Wiener Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung.

Foto: Sarah Zala /Veterinärmedizinische Universität Wien

Wenn einzelne Tiere von ihren Artgenossen indirekt Informationen übernehmen, spricht man vom sogenannten soziale Lernen. Es erspart den Tieren, selbst große Risiken einzugehen. Wie das bei Zebrafischen funktioniert, berichten Sarah Zala und Dustin Penn in der Zeitschrift „Animal Behaviour“.

Um die Veranlagung der Zebrafische (Danio rerio) zu testen, beobachteten Zala und Penn die Reaktion der Tiere auf sich bewegende Objekte. Schwammen die Fische relativ nahe an das bewegte Objekt heran, wurden sie von den Forschern als „mutig“ eingestuft. Tiere, die sich eher in einiger Entfernung an der Rückseite des Aquariums aufhielten, wurden als „scheu“ klassifiziert.

Wenn die wilden Zebrafische mit den gezähmten Tieren gemeinsam gehalten wurden, schwammen sie näher an das sich bewegende Objekt heran, beobachteten die Forscher. Sie sehen darin die Annahme bestätigt, dass Zebrafische tatsächlich von ihren Artgenossen lernen können, Risiken einzuschätzen, ohne sich selbst potenziell gefährlichen Situationen auszusetzen.

Darüber hinaus legen die Ergebnisse der Studie nahe, dass Zebrafische ihre Strategien des sozialen Lernens ändern, je nachdem, als wie groß sie die jeweilige Gefahr einschätzen: Die gezähmten „mutigen“ Fische veränderten ihr Verhalten durch den Kontakt mit den „scheuen“ Artgenossen nämlich nicht.

„Wenn ein Zebrafisch einige Zentimeter näher an ein unbekanntes Objekt heranschwimmt als die anderen Tiere in seiner Gruppe, so sieht das für uns nicht gerade spektakulär aus“, sagt Sarah Zala, „aber drei Zentimeter sind quasi eine Fischlänge, die in der freien Natur darüber entscheiden kann, ob das Tier einem Fressfeind zum Opfer fällt. In der Welt der Zebrafische gehen die Tiere damit ein hohes Risiko ein.“

Forschung: Sarah M. Zala, Ilmari Määttänen, Dustin J. Penn, Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien; in „Animal Behaviour“ Vol. 83 Issue 6 (2012) pp. 1519-1525; DOI: 10.1016/j.anbehav.2012.03.029

WWW:
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung

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