Posted in: Biologie 19. Juni 2012 15:21 Weiter lesen →

Fächerflügler sind Verwandte der Käfer

Die Insektengruppe der Fächerflügler mit über 500 Arten ist schon seit fast 200 Jahren bekannt. Strittig war unter Biologen aber immer, ob die nur wenige Millimeter großen Tiere mit den Käfern oder den Fliegen verwandt sind. Erst jetzt haben Forscher die Frage eindeutig beantwortet, indem sie erstmals das gesamte Genom einer neu entdeckten Fächerflüglerart analysierten.

Männlicher Fächerflügler Männchen des Fächerflüglers Xenos vesparum. Dieser erste wissenschaftlich beschriebene Vertreter der Gruppe löste unter Biologen die Diskussion um den evolutionären Urspund der Insekten aus. Foto: Dr. Hans Pohl, Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Forscher aus Bonn und Münster haben das Fächerflügler-Genom mit elf bereits bekannten Insekten-Genomen und dem neu analysierten Erbgut eines Käfers verglichen. Sie fanden heraus, dass es sich bei den Fächerflüglern um eine Schwestergruppe der Käfer handelt. Beide Gruppen haben offenbar einen gemeinsamen Vorfahren.

Im Fachblatt „Current Biology“ schreiben die Forscher, die Merkmale der Fächerflügler seien unabhängig von den holometabolen Insekten entstanden. Als holometabol gelten über drei Viertel aller bekannten Insekten, weil sie in ihrer Entwicklung eine vollständige Metamorphose von der Larve über die Puppe zum ausgewachsenen Insekt durchmachen, dabei keine Ähnlichkeit besitzen und häufig eine unterschiedliche Lebensweise haben.

Aufgrund ihrer Besonderheiten waren die Fächerflügler (lat. Strepsiptera) bisher keiner Position im Stammbaum der Insekten zuzuordnen. Das erwachsene Männchen besitzt Flügel, während das Weibchen flügellos bleibt. Die Insekten verbringen mindestens einen Teil ihres Lebens als Parasiten im Körper anderer Insekten, beispielsweise in Wespen oder Silberfischchen. Die Weibchen der meisten Fächerflügler-Arten verbringen sogar ihr gesamtes Leben im Körper ihres Wirtes. Die Männchen leben als erwachsene Tiere nur wenige Stunden, in denen sie sich ausschließlich der Suche nach einem Weibchen und der Paarung widmen.

Von der Larve zum erwachsenen Insekt durchlaufen die Fächerflügler eine schrittweise Entwicklung: Nach mehreren Larvenstadien verpuppen sie sich. Aus der Puppe schlüpft das erwachsene Insekt. Diese holometabole Entwicklung haben sie mit Schmetterlingen, Käfern oder Fliegen gemein.

Fächerflügler weisen zusätzlich einige Merkmale eines anderen Entwicklungstyps auf, bei der es kein Puppenstadium gibt. Manche Forscher haben daher angenommen, Fächerflügler seien ein Verbindungsglied zwischen den sich unterschiedlich entwickelnden holometabolen und hemimetabolen Insektengruppen. Die Genom-Analyse widerlegt diese These jetzt und löst damit eines der letzten großen Rätsel des Stammbaums der Insekten.

Forschung: Bernhard Misof, Oliver Niehuis, Zentrum für molekulare Biodiversitätsforschung (zmb) im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK), Bonn; Erich Bornberg-Bauer, Institut für Evolution und Biodiversität der Westfälischen Friedrichs-Wilhelms-Universität Münster, u.a.; in „Current Biology“, Online-Veröffentlichung 14.6.2012, dx.doi.org/10.1016/j.cub.2012.05.018

WWW:
Zentrum für molekulare Biodiversitätsforschung (zmb)
Holometabole Insekten (Wikipedia)
Hemimetabole Insekten (Wikipedia)

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