Posted in: Biologie, Genetik 14. Juni 2012 13:42 Weiter lesen →

Bonobo-Genom entschlüsselt

Das letzte bisher noch unbekannte Genom der Familie der Menschenaffen ist entschlüsselt: Ein europäisches Forscherteam hat das Genom des 18-jährigen Bonobo-Weibchens Ulindi aus dem Zoo Leipzig untersucht und es mit dem von Schimpansen und Menschen verglichen. Im Magazin „Nature“ berichten die Wissenschaftler, dass rund drei Prozent der genetischen Information von Schimpansen und Bonobos dem menschlichen Genom ähnlicher sind als die Genome dieser Menschenaffen zueinander.

Das Bonobo-Webchen Ulindi im Zoo Leipzig Das Bonobo-Weibchen Ulindi im Zoo Leipzig. Foto: Michael Seres, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Schimpansen und Bonobos unterscheiden sich stark in ihrem Verhalten. Während Schimpansen in Äquatorialafrika weit verbreitet sind, leben Bonobos ausschließlich südlich des Flusses Kongo in der Demokratischen Republik Kongo. Unter männlichen Schimpansen gibt es häufig aggressive Rangkämpfe, sie kooperieren aber miteinander, um ihren Lebensraum zu verteidigen und andere Gruppen zu bekämpfen. Dies alles ist bei Bonobo-Männchen, die ihren Weibchen untergeordnet sind, nicht üblich. Bonobos sind auch bekannt dafür, dass sie Sex nicht nur zur Fortpflanzung, sondern auch zur Lösung von Anspannung haben und gelegentlich unter gleichgeschlechtlichen Tieren praktizieren.

Alle Unterschiede könnten ihre Ursache in der genetischen Differenz von Schimpansen (Pan troglodytes) und Bonobos (Pan paniscus) haben und damit auch für den Menschen Erklärungsansätze für jenes Verhalten liefern, in dem wir Schimpansen oder Bonobos ähneln.

Der Vergleich der Gene bestätigt nach Meinung beteiligter Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie eine frühere Annahme: Demnach hat sich das Erbgut der Menschenaffen nach ihrer evolutionsgeschichtlichen Trennung nicht mehr miteinander vermischt. Der Fluss Kongo, der vor etwa 1,5 bis 2,5 Millionen Jahren entstand, bildete vermutlich eine natürliche Barriere, die beide Affenarten trennte.

Ines Hellmann, Populationsgenetikerin der Universität Wien und Co-Autorin der „Nature“-Veröffentlichung, hat nach der Entschlüsselung des Bonobo-Genoms festgestellt, dass die X-Chromosomen der Bonobos eine hohe Varianz aufweisen: In Bonobo-Populationen ist die Fluktuation in der Anzahl der Nachkommen bei Männchen doppelt so hoch wie bei Weibchen. Allerdings gibt es in Bonobo-Gruppen – im Gegensatz etwa zu Gorillas – kein dominantes Männchen, das diesen Effekt erklären würde. „Warum das so ist, wissen wir noch nicht genau“, so Hellmann. „Eine Erklärung für unsere Forschungsergebnisse ist, dass weibliche Bonobos öfter in eine andere Bonobo-Gruppe wechseln, während Männchen in der gleichen Gruppe bleiben“.

Forschung: Kay Prüfer, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig; Kasper Munch, Aarhus University Denmark; Ines Hellmann, Universität Wien; u.a.; in „Nature“, Online-Publikation am 13.6.2012, DOI: 10.1038/nature11128

WWW:
Veröffentlichung in „Nature“
„Nature News“ zur Veröffentlichung
Das Bonobo-Genom

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