Posted in: Anthropologie, Archäologie 24. Mai 2012 15:25 Weiter lesen →

Mitteleuropa wurde früher besiedelt

Foto zeigt 2 Ansichten einer kleinen Flöte aus Elfenbein Der moderne Mensch ist deutlich früher nach Mitteleuropa eingewandert als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Gruppe englischer und deutscher Forscher nach der Analyse von Fundstücken vom der Schwäbischen Alb. Die Stücke, darunter einige der ältesten Kunstwerke und Musikinstrumente der Menschheit, könnten demnach bis zu 43.000 Jahre alt sein.

Foto: Universität Tübingen

Die neuen Daten stützten die Vermutung, dass Homo sapiens zügig entlang der Donau nach Mitteleuropa gelangt sei, schreiben die Forscher um Thomas Higham von der Universität Oxford und Nicholas Conard von der Universität Tübingen im „Journal of Human Evolution“. Diese frühe Einwanderung müsse noch vor einem Kälteeinbruch vor etwa 38.000 Jahren erfolgt sein – und nicht erst danach, wie vielfach angenommen.

Higham, Conard und Kollegen stützen ihre Schlussfolgerungen auf Schmuckstücke, Flöten und andere Artefakte, die moderne Menschen in der Geißenklösterle-Höhle nahe Blaubeuren hinterlassen hatten. Die Forscher führten eine erneute Radiokohlenstoffdatierung des im Knochen bzw. Elfenbein enthaltenen Kollagens durch. Dabei achteten sie peinlich genau darauf, Verunreinigungen des Materials auszuschließen, um besonders präzise Resultate zu erhalten.

Foto zeigt Schmuckanhänger bzw. Perlen aus glatt poliertem Knochen Foto: Universität Tübingen

Aus den neuen Alterswerten und auf Basis von Studien an weiteren Fundorten schließen die Forscher, dass die ersten modernen Menschen vor 42.000 bis 43.000 Jahren bis in das Gebiet der oberen Donau gelangten – begünstigt vermutlich durch eine Phase milden Klimas vor einer jähen Abkühlung. In den folgenden Jahrhunderten habe sich die Technik und Kultur der Neuankömmlinge, als Aurignacien bezeichnet, dann in der gesamten Region ausgebreitet. Ob es damals zu Begegnungen zwischen modernem Mensch und Neandertaler kam und wie diese abliefen, ist noch unbekannt.

Forschung: Thomas Higham, Research Laboratory for Archaeology and the History of Art, University of Oxford; Nicholas J. Conard, Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie und Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology, Eberhard-Karls-Universität Tübingen; und andere

Veröffentlichung Journal of Human Evolution, DOI 10.1016/j.jhevol.2012.03.003

WWW:
Oxford Radiocarbon Accelerator Unit
Ältere Urgeschichte und Quartärökologie, Uni Tübingen
Das Geißenklösterle
Eiszeitkunst.de
Altersbestimmung mit der Radiokarbonmethode
Heinrich-Ereignis

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