Weggucken mildert Schmerz
Bei einer Injektion geben sich Ärzte mitunter einige Mühe, ihre kleinen und großen Patienten abzulenken. Eine Bestätigung für dieses Verhalten liefern Experimente Berliner und Hamburger Mediziner. Die Versuchsteilnehmer empfanden einen elektrischen Schlag als besonders schmerzhaft, wenn sie diesen erwarteten oder zeitgleich die Filmaufnahme eines Nadelstichs sahen.
Foto: Contributor via Wikimedia.org (Public Domain)
Dieses Resultat demonstriere, dass die Schmerzwahrnehmung durch frühere Erfahrungen mit schmerzhaften Objekten und durch die momentane Erwartungshaltung beeinflusst werde, folgern die Psychologen und Neurowissenschaftler um Marion Höfle und Daniel Senkowski vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und von der Berliner Charité im Fachblatt „Pain“.
Bei den Versuchen erhielten die Teilnehmer schmerzlose bzw. schmerzhafte Stromschläge in die Hand. Währenddessen sahen sie auf einem Bildschirm direkt über ihrer Hand die Filmaufnahme einer Hand, die mit einer Nadel traktiert bzw. mit einem Wattestäbchen gestreichelt wurde oder aber unangetastet blieb. Im ersten Fall stuften sie den schmerzhaften Reiz als schmerzhafter bzw. unangenehmer ein als in den übrigen Fällen. Entsprechend weiteten sich ihre Pupillen unterschiedlich stark.
Bei einigen Versuchsdurchgängen kündigten die Forscher außerdem an, dass beispielsweise der Wattestäbchen-Film wahrscheinlich mit einem schmerzhaften Stromreiz einhergehen werde. Kam dieser stärkere Reiz dann tatsächlich, wurde er von den Teilnehmern als besonders gemein empfunden.
Forschung: Marion Höfle, Michael Hauck, Andreas K. Engel und Daniel Senkowski, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Veröffentlichung Pain, Vol. 153(5), pp 1074–81, DOI 10.1016/j.pain.2012.02.010
WWW:
AG Multisensorische Integration, Daniel Senkowski
Various Types of Pain
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