Posted in: Anthropologie, Genetik 3. Mai 2012 20:00 0 Kommentare Weiter lesen →

Naturblond in der Südsee

Portraitaufnahme eines lachenden Kinds mit dunkelbrauner Haut und hellblondem, krausem Haar Blonde Menschen gibt es nicht nur in nördlichen Breiten, sondern auch unter der Sonne der Tropen. Die genetische Basis dieses Phänomens hat eine internationale Forschergruppe auf den Salomonen im Westpazifik ergründet. Eine andernorts unbekannte Genvariante sorgt dafür, dass nicht wenige Bewohner der Inselgruppe sehr dunkle Haut und zugleich hellblonde Haare haben.

Foto: Copyright Sean Myles

„Naturblondes Haar ist eine bemerkenswert seltene Merkmalsausprägung beim Menschen und typisch für Skandinavier und andere Nordeuropäer“, erklärt Nicholas Timpson von der Universität Bristol. Umso erstaunlicher sei es, dass der Anteil Blondhaariger auf den Salomonen, unweit des Äquators, bei 5 bis 10 Prozent liege.

Die Forscher um Timpson und seinen Kollegen Sean Myles vom kanadischen Nova Scotia Agricultural College studierten das Erbgut von 43 blonden und 42 dunkelhaarigen Einwohnern der Salomonen. Mithilfe von Genchips fahndeten sie nach DNA-Abschnitten, in denen sich die zwei Gruppen unterscheiden – und wurden fündig.

Wie die Wissenschaftler im Magazin „Science“ berichten, haben blonde Salomoner von beiden Elternteilen eine Variante des Gens TYRP1 geerbt, die in einem einzigen Baustein von allen Varianten bei Dunkelhaarigen abweicht. Das zugehörige Protein ist an der Herstellung des braun-schwarzen Pigments Eumelanin beteiligt.

Ein Totalausfall von TYRP1 führt bei Menschen zu einer Form von Albinismus, bei der Haut und Haar oft einen rötlichen Farbton aufweisen. Im Falle der blonden Salomoner ist das Enzymprotein vermutlich noch aktiv, zerfällt jedoch rasch, sodass neu gebildetes Haar nur wenig dunkles Pigment enthält.

Außerhalb der Salomonen und der benachbarten Inselgruppen kommt die Genvariante praktisch nicht vor, ermittelten die Forscher. „Ob diese Variation auf eine Evolution vor Ort zurückgeht oder in jüngerer Vergangenheit eingeführt worden ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen“, betont Timpson.

Forschung: Eimear E. Kenny und Sean Myles, Department of Genetics, Stanford University, und Department of Plant and Animal Sciences, Nova Scotia Agricultural College, Truro; Nicholas J. Timpson, MRC Centre for Causal Analyses in Translational Epidemiology, University of Bristol; Mark Stoneking, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 336, 4. Mai 2012, p 554, DOI 10.1126/science.1217849

WWW:
Myles Lab, Nova Scotia Agricultural College
CAiTE, University of Bristol
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