Posted in: Paläontologie 2. Mai 2012 20:26 Weiter lesen →

Quastenflosser tanzt aus der Reihe

Grafik zeigt schlanke Fische mit gegabelter Schwanzflosse, im Hintergrund kleinere Fische Anzeichen für ungewöhnliche Experimentierfreude bei Quastenflossern haben kanadische Forscher gefunden. Ein Fossil aus 240 Millionen Jahre altem Gestein weist Merkmale auf, die auf einen höchst mobilen Jäger hindeuten. Bislang hielt man die urtümlichen Knochenfische dagegen für ausgesprochen träge Gesellen – im körperlichen wie auch im evolutionären Sinn.

Grafik: Michael Skrepnick/University of Alberta

„Unser Quastenflosser hat die gegabelte Schwanzflosse eines rasch schwimmenden, aggressiven Räubers“, erklärt Andrew Wendruff von der University of Alberta. „In Körperform und Mobilität unterscheidet er sich daher stark von allen Quastenflossern, die wir bislang aus dem Fossilbericht kannten.“ Üblicherweise hätten diese Tiere – ebenso wie die heute noch lebenden Vertreter – einen bulligen Körperbau. Mit ihren paddelartigen Schwanzflossen seien sie außerdem auf kurze, überfallartige Beschleunigungen ausgelegt.

Quastenflosser tauchten bereits vor gut 410 Millionen Jahren in den Meeren des Devons auf. Ihre fossile Spur verliert sich vor gut 70 Millionen Jahren jedoch wieder. Umso größer war die Überraschung, als Wissenschaftler im Jahr 1938 einen lebenden Quastenflosser zu Gesicht bekamen. Heute sind sogar zwei Spezies bekannt, die im Indischen Ozean vor Afrika bzw. in der indonesischen Inselwelt leben. Beute machen diese Lauerjäger, indem sie ihr Maul jäh aufreißen und davor befindliche Fische förmlich einsaugen.

Ganz anders dagegen die Quastenflosser, deren Fossilien Wendruff und sein Kollege Mark Wilson in der Nähe des Wapiti Lake im Osten der kanadischen Provinz British Columbia fanden. Aufgrund ihrer Nichtkonformität auf den Namen Rebellatrix getauft, erschien die Art kurz nach dem größten Artensterben der Erdgeschichte auf der Bühne der Evolution. Möglicherweise sei ihr Auftauchen auf das Freiwerden einer Räubernische zurückzuführen, so Wendruff. Das evolutionäre Experiment sei allerdings grandios gescheitert: „Dieser Quastenflosser taucht später nicht wieder auf. Ganz offenbar waren andere Fischgruppen mit gegabelter Schwanzflosse einfach besser.“

Forschung: Andrew James Wendruff und Mark Wilson, Department of Biological Sciences, University of Alberta, Edmonton

Veröffentlichung Journal of Vertebrate Paleontology, Vol. 32(3), Mai 2012

WWW:
Department of Biological Sciences, University of Alberta
Quastenflosser
Anatomy of the Coelacanth

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Ein Lauerjäger aus dem Devon

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