Posted in: Biologie 25. April 2012 07:51 Weiter lesen →

Kohlmeisen helfen Bekannten

Foto zeigt Kohlmeise mit schwarzem Kopf und Hals, weißen Wangen und gelbem Leib auf Zweig Alten Bekannten hilft man eher als Wildfremden. Das gilt auch unter Kohlmeisen, haben englische Forscher im Rahmen einer kleinen Studie ermittelt. Beim lautstarken Vertreiben von Räubern stehen Meisenpaare, die sich schon aus dem Vorjahr kennen, einander sehr viel häufiger bei als Paare, die zum ersten Mal nebeneinander brüten.

Foto: Luc Viatour/www.lucnix.be via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

„Unsere Untersuchung zeigt, dass Vögel ihresgleichen je nach Vertrautheit unterschiedlich behandeln“, erklären Ada Grabowska-Zhang von der Universität Oxford und ihre Kollegen. Möglicherweise liege hier ein Grund für den belegt höheren Fortpflanzungserfolg von Kohlmeisenpaaren mit vertrauten Nachbarn, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Biology Letters“.

Grabowska-Zhang und Kollegen führten ihre Versuche in den universitätseigenen Wytham Woods durch, einem der bestuntersuchten Waldgebiete der Welt. Ein Teil der dort lebenden Kohlmeisen (Parus major) ist beringt bzw. mit Miniatur-Transpondern versehen, sodass der Werdegang der Vögel vom Flüggewerden an bekannt ist. Anhand dieser Daten wählten die Forscher 48 Nistkästen aus, die von einander vertrauten bzw. nicht vertrauten Meisenpaaren bzw. von jungen Neulingen im Brutgeschäft besetzt waren.

Die Ornithologin näherte sich jeweils einem Nistkasten betont geräuschvoll, um dann mit einer Stange erst an den Baum und schließlich an den Nistkasten selbst zu klopfen. Bei einander vertrauten Paaren rief dies in 12 von 16 Fällen nicht nur die Nestbesitzer, sondern auch die Nachbarn zum gemeinschaftlichen Hassen auf den Plan: Die Vögel stießen Alarmrufe aus, hüpften im Geäst hin und her und suchten den potenziellen Räuber durch Flugmanöver zu vergraulen. Bei erfahrenen, aber nicht vertrauten Paaren halfen die Nachbarn nur in 2 von 16 Fällen, bei unerfahrenen Brutpaaren in keinem einzigen Fall.

Die Zusammenarbeit beim Verscheuchen von Fressfeinden basiere letztlich auf reinem Eigennutz, betonen Grabowska-Zhang und ihre Kollegen: Die Vögel schlössen sich ihren Nachbarn an, weil durch gemeinschaftliches Hassen auch ihre eigene Brut besser geschützt sei. Offenbar setze diese Kooperation ein etabliertes, stabiles soziales Netzwerk voraus, folgern die Forscher.

Forschung: Ada Grabowska-Zhang, Ben C. Sheldon und Camilla A. Hinde, Department of Zoology, University of Oxford

Veröffentlichung Biology Letters, 25. April 2012, DOI 10.1098/rsbl.2012.0183

WWW:
Institute of Field Ornithology, University of Oxford
Wytham Woods
Mobbing
Kohlmeise

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kleiber verstehen Meisen

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