Posted in: Paläontologie 13. April 2012 05:00 Weiter lesen →

Ältester Reptilien-Embryo entdeckt

Foto und Zeichnung des isolierten Ei-Embryos mit langen Kiefern Mit Ausnahme der Amphibien lassen alle Landwirbeltiere ihren Nachwuchs im eigenen Fruchtwasser heranreifen. Das älteste Zeugnis dieser besonderen Fähigkeit glauben Forscher aus Uruguay, Brasilien und Frankreich entdeckt zu haben. In fast 280 Millionen Jahre altem Gestein fanden sie das Fossil eines urtümlichen Reptils, das offenbar einen weit entwickelten Embryo im Leib trug.

Foto: (C) Graciela Piñeiro. Grafik: (C) Inés Castiglioni

Spuren einer Eischale sind nicht zu finden, berichtet die Gruppe um Graciela Piñeiro von der Universidad de la República in Montevideo und Michel Laurin vom Pariser Naturkundemuseum im Fachblatt „Historical Biology“. Daher liefere das Fossil vielleicht auch den mit Abstand ältesten Beleg für eine Embryonalentwicklung, die vollständig im Mutterleib abläuft.

Piñeiro, Laurin und Kollegen fanden das Fossil im Süden Brasiliens. Es stammt von einem Mesosaurus und damit von einem Reptil, das sich nach dem Landgang wieder an ein Leben im Süßwasser angepasst hatte. Von dem Tier ist ein etwa 15 Zentimeter langes Stück vom Rumpf erhalten geblieben. Darin findet sich unterhalb der Rippen das eng zusammengerollte Skelett eines weiteren, kaum 10 Zentimeter langen Reptils. Nach Ansicht der Forscher dürfte es sich um ungeborenen Nachwuchs handeln.

2 Fotos zeigen Fossilien des Ei-Embryos und eines viel größeren ausgewachsenen Mesosaurus Größenvergleich: Fossil eines ausgewachsenen Mesosaurus, Einschub zeigt den isolierten Ei-Embryo. Fotos: (C) Graciela Piñeiro

Weitere Fossilien aus dem angrenzenden Uruguay stützen diese Interpretation. Dort fanden sich nicht weniger als 26 kleine, beinahe voll entwickelte Mesosaurus zusammen mit ausgewachsenen Artgenossen. Die Knochen liegen allerdings sehr ungeordnet und nicht mehr im natürlichen Verbund. Ganz anders bei einem weiteren Mesosaurus, der sich – seiner Körperhaltung nach zu urteilen – bei seinem Tod noch im Ei befand. Spuren eines Alttiers fehlen hier, allerdings auch Hinweise auf eine Eischale.

Falls Mesosaurus überhaupt eine mit Mineralien verstärkte Eischale besessen habe, so müsse diese sehr dünn gewesen sein, folgern Piñeiro, Laurin und Kollegen. Sollte der Nachwuchs also doch noch im Ei geboren worden sein, dürfte er unmittelbar darauf geschlüpft sein, so die Forscher. Weitere Untersuchungen müssten nun zeigen, ob auch andere Reptilien jener Zeit ihre Jungen auf derart fortschrittliche Weise zur Welt gebracht hätten.

Forschung: Graciela Piñeiro, Departamento de Evolución de Cuencas, Universidad de la República Uruguay, Montevideo; Michel Laurin, Centre de Recherches sur la Paleodiversité et les Paléoenvironments, CNRS/Muséum national d’Histoire naturelle, Paris; und andere

Veröffentlichung Historical Biology: An International Journal of Paleobiology, DOI 10.1080/08912963.2012.662230

WWW:
Departamento de Evolución de Cuencas, UdelaR Montevideo
CR2P, Muséum national d’Histoire naturelle
Amniota
Mesosaurus

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