Posted in: Biologie, Psychologie 11. April 2012 01:01 Weiter lesen →

Schafe mit feinem Gemeinschaftssinn

Foto zeigt Schafe, dicht an dicht stehend auf grüner Wiese Schafe fühlen sich unter ihresgleichen am wohlsten. Dabei sprechen die Tiere sehr sensibel auf die Gruppengröße an, haben belgische und französische Forscher ermittelt. Mit sinkender Größe widmen Schafe immer weniger Zeit dem Grasen, während das Stressniveau zumindest bei manchen Individuen stark ansteigt.

Foto: Cgoodwin via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Dass die Anwesenheit von Artgenossen bei vielen Tierarten beruhigend wirke, sei lange bekannt, erläutern die Forscher um Pablo Michelena von der Freien Universität Brüssel im Fachblatt „Biology Letters“. „Unsere Resultate zeigen nun, dass die Stressminderung auch von der Zahl der Artgenossen abhängt.“

Michelena und Kollegen führten ihre Experimente mit Merinoschafen in der Nähe von Nancy durch. Die Forscher sonderten aus einer großen Herde kleine Gruppen mit 2 bis 32 Tieren aus und trieben diese auf eine blickdicht eingezäunte Weide. Eine Stunde lang filmten sie dann das Verhalten der Tiere, im Anschluss bestimmten sie den Spiegel des Stresshormons Cortisol im Speichel einzelner Individuen.

Waren nur 2 Schafe auf der Weide, verwandten die Einzeltiere gut 40 Prozent der Zeit auf das wachsame Mustern der Umgebung, lediglich 50 Prozent der Zeit widmeten sie dem Grasen. Schon bei 8 Tieren waren es 15 bzw. 75 Prozent. Auch der Stresshormonspiegel sank mit jedem zusätzlichen Artgenossen, allerdings ging dieser Trend auf einige, möglicherweise besonders sensible Individuen zurück.

Beispielsweise Impalas steigerten ihre Wachsamkeit und fräßen weniger, sobald sie das Brüllen von Löwen hörten, so Michelena und Kollegen. Die französischen Schafe hätten sich dagegen auf identischen Weiden befunden und – wenn überhaupt – die gleichen Anzeichen potenzieller Fressfeinde gewittert. Die beobachteten Verhaltensunterschiede gingen also allein auf die Gruppengröße zurück.

Forschung: Pablo Michelena, Ecologie Sociale, Université Libre de Bruxelles; Marie-Hélène Pillot und Richard Bon, Centre de Recherches sur la Cognition Animale, Université Paul Sabatier, Toulouse; und andere

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2012.0197

WWW:
Ecologie Sociale, Université Libre de Bruxelles
Centre de Recherches sur la Cognition Animale, UPS Toulouse
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