Posted in: Anthropologie, Sport 22. März 2012 14:00 Weiter lesen →

Zum Laufen geboren

Foto zeigt Mischlingshund mit braunem Fell im gestreckten Galopp auf einer Wiese Ausdauerläufe führen bei Menschen regelmäßig zu guter Stimmung und erhöhtem Tatendrang. Ein solches Hoch stellt sich vielleicht auch bei Hunden ein, lässt ein Experiment amerikanischer Forscher vermuten. Nach einer halben Stunde lockeren Trabs maßen sie im Blut von Menschen und Hunden ähnlich stark erhöhte Spiegel eines körpereigenen Cannabinoids.

Foto: Aaandy via Wikimedia.org (Public Domain)

Bei Frettchen, bei denen längere Läufe nicht in der Natur liegen, gibt es dagegen keinen solchen Anstieg, fanden David Raichlen von der University of Arizona und seine Kollegen. Hier könnte sich ein tieferer Zusammenhang andeuten, schreiben die Forscher im „Journal of Experimental Biology“. Vielleicht habe die Evolution hin zum Läufer nicht nur anatomische Anpassungen hervorgebracht, sondern auch ein Belohnungssystem, das den höheren Energieaufwand und die höhere Verletzungsgefahr kompensiere.

Auch wenn so manche „Couch-Potato“ anderes vermuten lässt, so ist der Mensch doch für das Laufen gemacht. Als typische Anpassungen, die er mit lauffreudigen Tieren zeigt, gelten etwa die langen Gliedmaßen mit großen Gelenkflächen, die großen Bogengänge des Innenohrs und das leistungsfähige Herz-Kreislauf-System. Raichlen und Kollegen gingen nun der Frage nach, ob es Gemeinsamkeiten auch bei der Ausschüttung euphorisierender und schmerzdämpfender Botenstoffe im Nervensystem gibt.

Die Anthropologen und Pharmakologen ließen 10 menschliche Hobbyläufer, 8 Hunde und 8 Frettchen eine halbe Stunde lang auf einem Laufband traben. Davor und danach bestimmten sie den Spiegel zweier Endocannabinoide im Blut. Tatsächlich stieg die Konzentration von Anandamid bei Menschen und Hunden auf das Drei- bzw. Vierfache des Ausgangswerts, während sie bei Frettchen nahezu konstant blieb. Bei den menschlichen Läufern verbesserten sich zudem Stimmung und Motivation. Halbstündiges Gehen auf dem Band zeitigte keinen solchen Effekt.

Angesichts dieser Resultate könne man annehmen, dass Laufen sich bei Mensch und Hund ähnlich positiv auf Psyche und Physis auswirke, folgern Raichlen und Kollegen. Die Frage nach einem entsprechenden Grundmotiv in der Evolution der Säugetiere müsse noch durch Untersuchungen mit weiteren Spezies geklärt werden, so die Forscher. Abermillionen begeisterter Ausdauersportler ließen jedoch vermuten, „dass wir noch immer auf eine neurobiologische Eigenart mit sehr alten Wurzeln ansprechen“.

Forschung: David A. Raichlen und Adam D. Foster, School of Anthropology, University of Arizona, Tucson; Andrea Guiffrida, Department of Pharmacology, University of Texas Health Sciences Center, San Antonio; und andere

Veröffentlichung Journal of Experimental Biology, Vol. 215, April 2012, DOI 10.1242/jeb.063677

WWW:
Raichlen Lab, University of Arizona
Endocannabinoids
Endocannabinoids and the Runner’s High
Journal of Experimental Biology

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Belegt: Endorphine machen Läufer „high“
„Langstreckenläufer“ leiden stärker unter Zoohaltung

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