Posted in: Biologie, Physik 2. März 2012 13:01 Weiter lesen →

Die schnellsten Lebewesen

REM-Aufnahme zeigt kugelförmige Zelle mit leicht verschrumpelter Oberfläche und einem wahren Kometenschweif aus dünnen Geißeln Die mit Abstand schnellsten Lebewesen haben Regensburger Forscher identifiziert. Mikroskopisch kleine Einzeller aus der Gruppe der Archäen schaffen es demnach, schwimmend pro Sekunde bis zum 470-Fachen ihrer Zelllänge zurücklegen – ein Wert, wie ihn nicht einmal Wanderfalken im Sturzflug erreichen.

Mit seinen mehr als 50 Schwimmgeißeln besitzt Methanocaldococcus villosus einen leistungsstarken Antrieb. REM-Aufnahme: Prof. Dr. Gerhard Wanner (LMU München)

Neben dem rasanten geradlinigen Schwimmen beherrschen die Winzlinge noch eine langsamere Fortbewegung im Zickzack, beobachteten Bastian Herzog und Reinhard Wirth von der Universität Regensburg. „Die Kombination der beiden Schwimmstile lässt uns vermuten, dass Archäen ihre Schnelligkeit dazu nutzen, um sich in einem für sie günstigen Habitat zu halten und so zu überleben“, so Wirth.

Neben den Organismen mit einem echten Zellkern, den Eukaryoten, zu denen alle Tiere und Pflanzen gehören, und den Bakterien stellen die Archäen die dritte große Gruppe der Lebewesen. Viele von ihnen haben sich extrem heiße oder saure Lebensräume erschlossen. Herzog und Wirth setzten denn auch ein eigens konstruiertes Thermomikroskop ein, um ihre Studienobjekte bei Temperaturen von bis zu 95 Grad Celsius zu beobachten. Die Resultate präsentieren sie im Fachblatt „Applied and Environmental Microbiology“.

Unter den sieben studierten Archäenarten stachen zwei Spezies hervor: Methanocaldococcus villosus und sein Gattungsgenosse Methanocaldococcus jannaschii wurden mit 470 bzw. 590 Mikrometer pro Sekunde gestoppt. Bei Zelllängen von 1 bzw. 1,5 Mikrometer entspricht dies 470 bzw. fast 400 Körperlängen pro Sekunde (kps). Radarmessungen an Wanderfalken im freien Fall belegen einen Wert um 80 kps, während manche Milben im Sprint etwa 130 kps schaffen. Der Gepard und das Darmbakterium Escherichia coli kommen auf gut 20 kps.

Forschung: Bastian Herzog und Reinhard Wirth, Archaeenzentrum, Universität Regensburg

Veröffentlichung Applied and Environmental Microbiology, Vol. 78(6), pp 1670–4, DOI 10.1128/AEM.06723-11

WWW:
AG Wirth, Uni Regensburg (mit Videos)
Archaea – Life’s Extremists
Life at Low Reynolds Number

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Milben mit rasantem Schritt
Anatomie eines Schwefelfressers

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4 Kommentare zu "Die schnellsten Lebewesen"

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  1. andreas sagt:

    Kann mir jemand erklären, weshalb dieser Einzeller jetzt schneller sein soll als ich? 590 Mikrometer pro Sekunde schaff ich auch locker. Und auch auch bei den olympischen Spielen gewinnt glaub ich derjenige der als erster im Ziel ist, egal wie groß er ist.
    Ist dieses „kps“ wirklich eine oft offiziell verwendete Einheit oder sind da einfach nur ein paar Forscher froh weil sie was neues gefunden haben?

    Das soll jetzt kein Trollversuch sein, aber mit Geschwindigkeit assoziiere ich eigentlich eine Maßeinheit mit der ich verschiedene Dinge, egal wie groß/schwer sie sind, vergleichen kann…

  2. Chris sagt:

    Der Vergleich mit den Olympischen Spielen hinkt. Da treten doch auch keine normalgewachsenen Menschen gegen Kleinwüchsige an. Außerdem ist der Abstand von sagen wir 190 cm zu 120 cm eine ganz andere Kategorie als der Abstand von 190 cm zu 1 µm. Klar ist die Fortbewegungsgeschwindigkeit aus eigener Kraft relativ zur Größe zu sehen.

  3. max sagt:

    Körperlängen pro Sekunde ist kein sinnvolles Mass. Es ist traurig wie viele Naturwissenschaftler keine Ahnung von Skalengesetzen haben :-(.
    Das schnellste Säugetier ist NICHT die Giraffe!

  4. andreas sagt:

    @chris: der vergleich hinkt nicht so wirklich. die sprinter sind nicht alle gleich groß und wenn der zweite sportler (185cm) 0.04s nach dem ersten (193cm) ins ziel kommt soll der zweite gewonnen haben nur weil er ein bisschen kleiner ist?
    und wieso ist die geschwindigkeit zur größe sinnvoll? es ist doch total egal wie groß man ist, für die kraft die man aufbringen muss um sich fortzubewegen ist doch das gewicht entscheidend. also wäre diese „geschwindigkeit“ doch sinnvoller…
    fällt die kokusnuss jetzt eigentlich schneller vom baum als ein apfel, nur weil sie größer ist?