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Prähistorisches Strichmännchen

Donnerstag, 23. Februar 2012, 0:05 • Rubrik Anthropologie, Archäologie.

Foto und Skizze der Petroglyphe als eine Art Strichmännchen Eines der ältesten Kunstwerke der Neuen Welt glauben brasilianische und US-amerikanische Forscher entdeckt zu haben. Unter einem großen Felsüberhang im Osten Brasiliens stießen sie auf ein Muster, das an ein prähistorisches Strichmännchen erinnert. Die Datierung der zugehörigen Sedimentschichten lässt vermuten, dass es vor mehr als 10.000 Jahren mit viel Geduld in den Fels gemeißelt worden ist.

Bild: Neves WA et al. (2012), PLoS ONE 7(2): e32228

Die Resultate der Datierung ließen grundsätzlich ein Alter von 12.000 Jahren zu, schreiben Walter Neves von der Universität São Paulo und seine Kollegen im Fachblatt „PLoS ONE“. Daher habe man es vielleicht mit der ältesten figürlichen Felszeichnung auf dem amerikanischen Kontinent zu tun.

Neves und seine Kollegen fanden die Petroglyphe nahe der Stadt Lagoa Santa im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. In den zahlreichen Felsüberhängen und Höhlen in dem Karstgebiet sind schon mehrfach Holzkohle sowie Werkzeuge und Knochen früher Jäger und Sammler entdeckt worden. Die Zeichnung findet sich sich in einem „Lapa do Santo“ getauften Überhang, der 70 Meter tief in den Fels reicht und dessen Grund von einer mächtigen Sedimentschicht bedeckt ist.

Bei ihren Ausgrabungen stießen die Anthropologen und Archäologen unter 4 Metern Sediment auf eine Figur aus rundlichen Vertiefungen im Felsgrund. In groben Zügen besteht das Muster aus einem 15 Zentimeter langen Strich, von dessen Enden jeweils drei weitere Striche mit kurzen Verzweigungen ausgehen. Neves und Kollegen interpretieren dieses Muster als Darstellung eines Mannes mit einem übergroßen Phallus.

Ähnliche, wenngleich etwas jüngere Petroglyphen seien in weiteren Felsüberhängen in der Region und rund 1.600 Kilometer weiter nördlich im Bundesstaat Rio Grande do Norte entdeckt worden, schreiben die Forscher. Möglicherweise habe es eine kulturelle Verbindung zwischen den beiden Regionen gegeben. Andere Beispiele südamerikanischer Felskunst seien wiederum von völlig anderer Machart – eine Vielfalt, die nach Ansicht der Wissenschaftler für eine frühe Besiedlung des Kontinents spricht.

Forschung: Walter A. Neves und Astolfo G. M. Araujo, Laboratório de Estudos Evolutivos Humanos, Instituto de Biociências, und Museu de Arqueologia e Ethnologia, Universidade de São Paulo; und andere

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 7(2), e32228, DOI 10.1371/journal.pone.0032228

WWW:
Laboratório de Estudos Evolutivos Humanos, Universidade de São Paulo
The Peopling of the American Continents

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