Folgenschwerer Machtwechsel
Donnerstag, 23. Februar 2012, 20:00 • Rubrik Biologie.
Bei Affen kann die Ablösung eines Haremsherren drastische Konsequenzen haben. Amerikanische Forscherinnen haben nachweisen können, dass schwangere Weibchen auf den Machtwechsel häufig mit dem Abstoßen ihres Fötus reagieren. Der Grund liegt vermutlich in den jäh gesunkenen Überlebenschancen des noch ungeborenen Nachwuchses.
Foto: Shayna Liberman
Wenn ein Junggeselle eine Gruppe von Weibchen übernommen habe, töte er häufig die Nachkommen seines Vorgängers, erläutern Jacintha Beehner von der University of Michigan und ihre Kolleginnen im Magazin „Science“. Unter diesen Umständen sei es für die Weibchen vermutlich besser, ihre Schwangerschaft abzubrechen und möglichst bald mit dem neuen Haremsherren erneut schwanger zu werden.
Beehner und ihre Gruppe analysierten Daten über Dscheladas oder Blutbrustpaviane (Theropithecus gelada) im äthiopischen Hochland. Fünf Jahre lang hatten die Forscherinnen dort 21 Gruppen beobachtet und sorgfältig alle Veränderungen registriert. Mit jeder der 28 Machtübernahmen fiel die Geburtenrate in der betroffenen Gruppe beinahe auf null. Ein halbes Jahr später – entsprechend der Tragdauer bei Dscheladas – erreichte sie dagegen das Doppelte des ursprünglichen Werts.
Foto: Clay Wilton. Copyright Science/AAAS
Messungen an Kotproben bestätigten die Vermutung, dass dieses Phänomen auf den Abbruch bestehender Schwangerschaften zurückging: In Gruppen mit einem Machtwechsel fiel die Konzentration des Hormons Östradiol, das im Laufe der Tragzeit fortwährend gestiegen war, bei 8 von 10 schwangeren Weibchen schlagartig wieder auf den Ausgangswert – in einigen Fällen fanden die Forscherinnen tatsächlich auch einen abgestoßenen Fötus. In stabilen Gruppen trat eine solche Veränderung nur bei 1 von 52 belegten Schwangerschaften ein.
Bereits in den 50er-Jahren war beobachtet worden, dass Mäuseweibchen auf neue Männchen mit einem Abbruch der Schwangerschaft reagieren. Nach Ansicht Beehners und ihrer Kolleginnen liefern die neuen Daten nun erstmals den Beleg dafür, dass dieser „Bruce-Effekt“ nicht nur bei Nagetieren im Labor vorkommt, sondern auch bei Primaten in der freien Wildbahn. Zumindest bei den Dscheladas bringe er für die Weibchen wohl Vorteile mit sich, so die Forscherinnen: Bei dieser Spezies bleibe ein neuer Haremsherr meist länger an der Macht, als es bis zur Geburt und Entwöhnung von Jungen brauche.
Forschung: Eila K. Roberts und Jacintha C. Beehner, Department of Psychology und Department of Anthropology, University of Michigan, Ann Arbor; und andere
Veröffentlichung Science, 23. Februar 2012, DOI 10.1126/science.1213600
WWW:
University of Michigan Gelada Research Project
Simien National Park
Gelada Baboon
Primate Mating Systems
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Regen hilft Haremsherren
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