Posted in: Biologie, Vermischtes 16. Februar 2012 18:00 Weiter lesen →

Alkoholisierte Maden trotzen Wespen

Makroaufnahme weißer, halbtransparenter Fliegenmaden und einer winzigen schwarzen Wespe, ihr Legebohrer in einer der Maden steckend Von Parasiten geplagte Maden greifen zum Alkohol. Für diese Vermutung sprechen Beobachtungen amerikanischer Biologen. Werden die Larven der Taufliege von Feigenwespen als lebende Brutkammern genutzt, zieht es sie zu ethanolhaltiger Nahrung. Und da sie das Zellgift sehr viel besser vertragen als der Wespennachwuchs in ihnen, kommen sie in der Folge häufig mit dem Leben davon.

Bild: Milan et al., Current Biology

Taufliegen ernähren sich zu einem guten Teil von überreifen Früchten und weisen eine ausgeprägte Toleranz gegenüber Ethanol auf. Vielleicht sei die Vorliebe für Vergorenes letztlich auch der Bedrohung durch Feigenwespen geschuldet, schreibt die Gruppe um Todd Schlenke von der Emory University im Fachblatt „Biology Letters“.

Schlenke und Kollegen untersuchten, wie Taufliegen (Drosophila melanogaster) und zwei ihrer Erzfeinde aus der Gattung Leptopilina mit Alkohol umgehen. Die Feigenwespen legen ihre Eier in Fliegenmaden ab, auf dass die schlüpfenden Wespenlarven ihre Wirte von innen heraus auffressen. Fliegenmaden, die Nahrung mit einem Ethanolgehalt von 6 Prozent fressen, werden von den Wespen allerdings gemieden, beobachteten die Forscher. Und legen die Wespen dennoch Eier in alkoholisierten Maden ab, so sterben bis zu 60 Prozent der Wespenlarven und viele Maden überleben.

Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Feigenwespen der Art Leptopilina heterotoma, die nicht auf Drosophila melanogaster spezialisiert ist, sondern auch andere Arten von Taufliegen attackiert.

Nicht wenige Tiere, beispielsweise Pfeilgiftfrösche und viele Schmetterlinge, nutzen Giftstoffe in ihrer Nahrung, um sich gegen Fressfeinde und Parasiten zu wappnen. Manche richten sich dabei nach dem aktuellen Bedarf. So auch Taufliegenmaden, fanden die Forscher: Vor die Wahl gestellt, entschied sich nur eine von fünf nicht infizierten Maden für alkoholhaltige Nahrung. Trugen die Maden dagegen Eier von Feigenwespen in sich, war das Verhältnis umgekehrt: Vier von fünf Tieren robbten in jenen Teil ihrer Petrischale, in dem es alkoholhaltiges Futter gab. „Offenbar setzen sie den Alkohol als Medizin gegen Wespen ein“, folgert Schlenke.

Forschung: Neil F. Milan, Balint Z. Kacsoh und Todd A. Schlenke, Department of Biology, Emory University, Atlanta

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2012.01.045

WWW:
Schlenke Lab, Emory University
Drosophila melanogaster
Feigenwespen

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1 Kommentar zu "Alkoholisierte Maden trotzen Wespen"

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  1. Erstling sagt:

    Diesen Satz im Artikel finde ich erwähnenswert interessant : „Vier von fünf Tieren robbten in jenen Teil ihrer Petrischale, in dem es alkoholhaltiges Futter gab“, weil es einen gewissen Einblick in die Untersuchungsreihe gibt. Man kann sich solche „Studien“ z.T. schwer vorstellen.
    Zumindest spreche ich da von mir.