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Testosteron macht egozentrischer

Mittwoch, 1. Februar 2012, 1:01 • Rubrik Medizin, Psychologie.

Stab- und Kugelmodell des Testosterons mit Gerüst aus 3 Sechser- und 1 Fünferring aus Kohlenstoff Testosteron wirkt nicht nur auf den Körper, sondern beeinflusst auch das Denken. Eine englisch-dänische Forschergruppe hat ermittelt, dass ein erhöhter Spiegel des Hormons die Neigung verstärkt, sich im Zweifelsfall auf das eigene Urteil zu verlassen. Als Folge sinkt der Nutzen, den Menschen aus einer Zusammenarbeit ziehen können.

Auch Frauen bilden in Eierstöcken und Nebennierenrinde geringe Mengen des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Grafik: Ben Mills via Wikimedia.org (Public Domain)

Bei kollektiven Entscheidungen komme es darauf an, die richtige Balance zwischen Egozentrik und Vertrauensseligkeit zu finden, erläutert Nicholas Wright vom University College London. Aus früheren Untersuchungen sei bekannt, dass das „Kuschelhormon“ Oxytocin die Bereitschaft erhöhe, anderen zu vertrauen. Offenbar verschiebe Testosteron das Gleichgewicht in die entgegengesetzte Richtung, folgern der Neurowissenschaftler und seine Kollegen in den „Proceedings of the Royal Society“.

Wright und Kollegen führten ihre Versuche mit 34 jungen Frauen durch, die paarweise an zwei Tagen ins Labor gebeten wurden. An einem Tag schluckten beide Teampartnerinnen eine Testosteronkapsel, an dem anderen eine Kapsel ohne Hormon. Bei den eigentlichen Tests sahen sie auf einem Bildschirm zwei Wellenmuster und mussten jede für sich entscheiden, welches Muster kontraststärker war. Die individuelle Trefferquote der Frauen war unabhängig davon, ob ihr Testosteronspiegel erhöht worden war.

In knapp 40 Prozent der Fälle gingen die Einzelmeinungen auseinander. Nun konnten die Partnerinnen beliebig lange miteinander diskutieren, bevor eine von ihnen die Teamentscheidung fällte. Und hier zeigte sich ein Effekt des Hormons, berichten Wright und Kollegen: Mit zusätzlichem Testosteron verließ sich die Entscheiderin in 62 Prozent der Fälle auf ihre ursprüngliche Meinung, ohne waren es nur 56 Prozent. Diese leichte Verschiebung genügte, um die kollektive Trefferquote einbrechen zu lassen. Gleichwohl lag diese immer noch höher als die mittlere individuelle Quote.

Forschung: Nicholas D. Wright, Emily Johnson, Gina Di Malta und Raymond J. Dolan, Institute of Neurology, University College London; Bahador Bahrami, Institute of Cognitive Neuroscience, University College London, und Institut for Antropologi, Arkæologi og Lingvistik, Aarhus Universitet; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 1098/rspb.2011.2523

WWW:
Centre for Neuroimaging, University College London
Hormone

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2 Kommentare for “Testosteron macht egozentrischer”

  1. nowlie

    Nicht unbedingt. Führt mich ist Dein verlinkter Artikel kein Widerspruch zu diesem hier.
    Denn in der Studie, die Du anführtst, ist der Schlüsselbegriff Sozialer Satus.
    Eine Aussage ist nämlich: Tesosteron führt dazu, dass man soz. Status anstrebt. Führt also soziales Verhalten zum soz. Status, dann wird sich eben sozial verhalten. Ganz einfach.
    Dieser Beitrag weißt jedoch jedoch nicht auf die Frage hin – im Gegensatz zur Züricher Studie – was passiert, wenn “Soft Skills” nicht zwingend den soz. Status positiv beeinflussen.
    Man muss also davon ausgehen, dass Testosteron vielfache Verhaltensweisen hervorruft, die optimal auf die Umweltbedingungen angepasst sind, um das übergeordnete Ziel (sozialer Status) zu erreichen.

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