Posted in: Biologie 27. Januar 2012 12:39 Weiter lesen →

Hausmäuse werben mit komplexen Gesängen

Männliche Hausmäuse singen, um Partnerinnen anzulocken. Die Umworbenen schätzen die Lieder offenbar um so mehr, je komplexer die Melodien angelegt sind. Österreichische Forscher haben die Gesänge jetzt erstmals umfangreich analysiert.

Hausmaus (Mus musculus). Foto: Irina K. /Fotolia

Die Gesänge der Hausmäuse werden im Ultraschallbereich vorgetragen und bleiben dem menschlichen Ohr somit verborgen. Darin mag der Grund liegen, dass Biologen die akustische Balz bisher nur als Quietschlaute einstuften. Aktuelle spektrographische Analysen zeigen aber jetzt, dass diese Laute komplex sind und Merkmale von Gesängen zeigen.

Wie Verhaltensforscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien berichten, sind die Gesänge der Hausmäuse bei verlangsamter Wiedergabe von Tonaufnahmen dem Vogelgesang auffällig ähnlich. In früheren Studien hatten die Forschenden bereits nachgewiesen, dass Mausmänner singen, wenn sie dem Duft eines Weibchens begegnen, und dass Weibchen von diesen Liedern angezogen werden. Darüber hinaus entdeckten sie, dass weibliche Mäuse in der Lage sind, den Gesang von Geschwistern von jenem nicht verwandter Männchen zu unterscheiden – sogar wenn sie ihre Brüder zuvor noch nie singen gehört hatten.

Frauke Hoffmann, Kerstin Musolf und Dustin Penn zeichneten in ihrem neuen Projekt die Balzrufe von wilden Hausmäusen, die an drei Standorten gefangen worden waren, über jeweils 90 Minuten auf. Von 15 Versuchstieren ließen sich 12 durch das Verströmen frischen Urins weiblicher Tiere zum Singen animieren. Die so gewonnenen Aufnahmen untersuchte das Trio dann mit digitaler Audiosoftware auf Faktoren wie Dauer, Tonhöhe und Frequenz. Sie fanden heraus, dass einzelne Passagen der Leider wie Fingerabdrücke von einem Individuum zum anderen unterschiedlich sind. Außerdem bestätigten sie, dass die Lieder von Geschwistern einander im Vergleich zu denen nicht verwandter Männchen sehr ähnlich sind. Dies mag erklären, wie Weibchen nicht verwandte Männchen von Brüdern unterscheiden können. Dadurch vermeiden Mäuse offenbar Inzucht.

Die Laute wilder Hausmäuse unterschieden sich zudem signifikant von denen der Inzucht-Stämme von Labormäusen, berichten die Forscher: Wilde männliche Mäuse produzieren demnach mehr Silben in hohen Frequenzbereichen als Labormäuse, was mit anderen Untersuchungsergebnissen über genetische Effekte auf Mauslautäußerungen übereinstimmen soll. „Es scheint, dass Hausmäuse zu einem neuen Modellorganismus für das Studium von tierischem Gesang werden könnten“, sagt Dustin Penn.

Das Trio stellt seine Forschungsergebnisse im Fachmagazin „Physiology & Behavior“ und im „Journal of Ethology“ vor. Als nächsten wollen die Forscher die Komplexität des Mäuseliedguts mit der von Vogelgesängen vergleichen.

Forschung: Frauke Hoffmann, Kerstin Musolf, Dustin J. Penn, Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna). Veröffentlichung in „Physiology & Behavior“ Vol. 105, Issue 3, pp. 766-771, http://dx.doi.org/10.1016/j.physbeh.2011.10.011; Veröffentlichung im „Journal of Ethology“ Vol. 30, Nr 1, pp. 173-180, http://dx.doi.org/10.1007/s10164-011-0312-y

WWW:
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV)

Lesen Sie außerdem im Scienceticker:
Mäusedamen mögen gute Sänger

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