Posted in: Biologie 18. Januar 2012 23:00 Weiter lesen →

Wie Pillendreher den Weg finden

Nahaufnahme eines dunklen Käfers auf einer sandfarbenen Kugel Nicht nur Menschen nutzen erhöhte Punkte, um sich im Gelände einen Überblick zu verschaffen. Zu diesem Schluss kommen schwedische und südafrikanische Forscherinnen nach Versuchen mit Käfern aus der Verwandtschaft des Pillendrehers. Suchen die Tiere einen Weg für sich und ihre Dungkugel, klettern sie auf die Kugel und vollführen darauf eine Pirouette.

Foto: Emily Baird et al. (2012), PLoS ONE 7(1): e30211

Dieses Verhalten zeigen die Skarabäen fast immer, kurz bevor sie eine frisch gedrehte Dungkugel in gerader Linie von einem Kothaufen wegrollen, beobachteten Emily Baird von der Universität Lund und ihre Kolleginnen. Es wiederholt sich häufig, wenn Käfer und Kugel an einem Hindernis vom Kurs abgekommen sind – bei den Versuchen der Biologinnen beispielsweise an hohen Stufen, auf einer Drehscheibe oder in einem halbkreisförmig verlaufenden Tunnel.

„Wir vermuten, dass die Käfer die erste Drehung am Kothaufen vollführen, um einen Himmelskompass in Bezug zu ihrer bevorzugten Rollrichtung abzulesen“, folgern die Biologinnen. Das Erklettern und Drehen auf der Kugel nach einer Störung diene wahrscheinlich dazu, diesen Kompass erneut abzulesen und den alten Kurs wiederzufinden, schreibt die Gruppe im Fachblatt „PLoS ONE“. Ein ganz ähnliches Drehen um die eigene Achse zur Orientierung kenne man von Strandflöhen und Ameisen.

Film: Lund Vision Group

Baird und Kolleginnen führten ihre Versuche mit Pillendrehern der Art Scarabaeus (oder Kheper) nigroaeneus durch. Ganz wie ihre berühmteren, von den alten Ägyptern verehrten Verwandten machen sich die Käfer über die Kothaufen großer Pflanzenfresser her. Die Tiere formen Kugeln aus dem nahrhaften Exkrement, die sie wegrollen und als Kinderstube für ihre Nachkommen vergraben.

Dabei müssen sie schnell sein, denn die Konkurrenz um die Kothaufen und die bereits gedrehten Kugeln ist groß. Vielleicht kletterten die Tiere auch deshalb auf ihre Dungkugel, um diese während des Rundblicks gegen den Zugriff von Artgenossen zu sichern, spekulieren die Forscherinnen.

Forschung: Emily Baird und Marie Dacke, Biologiska institutionen, Lunds universitet; Marcus J. Byrne, School of Animal, Plant and Environmental Sciences, University of the Witwatersrand, Johannesburg; und andere

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 7(1), e30211, DOI 10.1371/journal.pone.0030211

WWW:
Vision Group, Lund University
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