Posted in: Medizin, Psychologie 17. Januar 2012 13:51 Weiter lesen →

Gips verändert Gehirn

Eine Frau trägt den linker Unterarm in einem Gipsverband Wenn der Arm nach einem Knochenbruch vorübergehend nicht bewegt werden kann, stellen sich bald auch Veränderungen im Gehirn ein. Das haben Zürcher Forscher bei einer Untersuchung mit zehn Teilnehmern ermittelt. Bei diesen schrumpften die für den gebrochenen Arm zuständigen Gehirnbereiche binnen zwei Wochen deutlich.

Foto: Andrea Arnold /Fotolia

Die Bereiche für den anderen, weiterhin bewegungsfähigen Arm wurden dagegen größer, indem dieser bei Tätigkeiten wie Zähneputzen, Schreiben und Essen einspringen musste, beobachteten die Forscher um Nicolas Langer und Lutz Jäncke von der Universität Zürich. Parallel dazu verbesserte sich die gemessene Geschicklichkeit von Hand und Arm dieser Seite, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Neurology“.

Langer, Jäncke und Kollegen untersuchten zehn rechtshändige Personen, die sich den rechten Oberarm gebrochen hatten. Binnen zwei Tagen nach der Verletzung kartierten die Forscher das Gehirn der Patienten per Kernspintomografie. Diese Kartierung wiederholten sie, nachdem die Patienten durchschnittlich 16 Tage lang Gips oder Verband zur Ruhigstellung von Arm und Schultergelenk getragen hatten.

Der Vergleich zeigte, dass jene Bereiche der Großhirnrinde, die Sinnessignale aus dem rechten Arm verarbeiten und dessen Muskulatur steuern, etwa zehn Prozent an Volumen eingebüßt hatten. Auch schienen die zugehörigen Nervenfaserbündel leicht an Struktur verloren zu haben. In den entsprechenden Rindenbereichen der gegenüberliegenden Seite war dagegen eine Volumenzunahme feststellbar.

Dieses Ergebnis demonstriert nicht nur die rasche Anpassungsfähigkeit des Großhirns selbst im Erwachsenenalter. Nach Ansicht der Forscher ist es auch für die Therapie nach einem Schlaganfall interessant. Beispielsweise werde bei einer halbseitigen Schädigung der Arm der nicht betroffenen Seite mitunter ruhiggestellt, um den anderen Arm und damit das Gehirn auf der geschädigten Seite zu fordern. „Unsere Studie zeigt, dass diese Art der Therapie sowohl positive als auch negative Effekte hat“, so Langer.

Forschung: Nicolas Langer, Hans-Peter Simmen und Lutz Jäncke, Psychologisches Institut der Universität Zürich und Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsspital Zürich; und andere

Veröffentlichung Neurology, DOI 10.1212/WNL.0b013e31823fcd9c

WWW:
Lehrstuhl Neuropsychologie, Universität Zürich
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