Heuschrecken haben riskanten Sex
Dienstag, 10. Januar 2012, 14:25 • Rubrik Biologie.
Manche Tiere riskieren bei der Paarung Kopf und Kragen. Wie groß dieses Risiko sein kann, hat ein australischer Forscher am Beispiel einer Feldheuschrecke ermittelt. Gegenüber einzelnen Heuschrecken weisen kopulierende Paare eine zehn Mal höhere Wahrscheinlichkeit auf, von Grabwespen erbeutet zu werden.
Bild: Macquarie University
Dieser Effekt wiege umso schwerer, als er „genau jene Phase betrifft, in der die Heuschrecken ihr größtes reproduktives Potenzial aufweisen“, erklärt Darrell Kemp von der Macquarie-Universität in Sydney. Die besondere Anfälligkeit während der Paarung dürfte daher merklichen Einfluss auf den Lebenszyklus der Heuschrecken haben.
Kemp beobachtete in einer Dezemberwoche insgesamt 62 Fälle, in denen australische Feldheuschrecken (Chortoicetes terminifera) von Grabwespen (Sphex cognatus) erbeutet wurden. Die Wespen lähmen ihre Beute durch Stiche und schleppen sie dann in unterirdische Röhren, wo sie als lebendes Futter für den Wespennachwuchs dienen. In 19 Fällen – entsprechend 30 Prozent – erbeuteten die Wespen ein kopulierendes Heuschreckenpärchen. Der Anteil solcher Pärchen an der Gesamtpopulation lag im Beobachtungszeitraum allerdings nur bei 3 Prozent, schätzt der Forscher.
Besonders hart trifft das zusätzliche Risiko die männlichen Heuschrecken, berichtet Kemp im Fachblatt „Behavioral Ecology“. So wurden Männchen in keinem Fall als Einzeltiere von der Grabwespe erbeutet. Und als wäre das nicht genug, wurde bei den erbeuteten Paaren ausschließlich das Weibchen gestochen und paralysiert. „Die Männchen büßten ihr Leben nur deshalb ein, weil sie sich nicht von ihrer gelähmten Partnerin lösen konnten“, so der Forscher. „Daher wurden sie mit ihr lebendig begraben.“
Forschung: Darrell J. Kemp, Department of Biological Sciences, Macquarie University, Sydney
Veröffentlichung Behavioral Ecology, DOI 10.1093/beheco/arr173 (im Druck)
WWW:
Evolutionary Ecology Lab, Macquarie University
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