Posted in: Biologie 9. Januar 2012 21:00 Weiter lesen →

Ein mörderisches Gewächs

Nahaufnahme zeigt winziges dunkelgrünes Blatt unter weißen Sandkörnern Eine vor einigen Jahren in Südamerika entdeckte Pflanze bessert ihre Nährstoffversorgung mit tierischer Kost auf. Brasilianische Forscher haben ermittelt, dass das Gewächs sehr schnell Stickstoff aus Fadenwürmern aufnimmt. Als Falle nutzt es winzige Blätter, die es in den Untergrund streckt und an denen die Bodenbewohner haften bleiben.

An den Blättern von Philcoxia bleiben nicht nur Sandkörnchen haften … Foto: (C) PNAS

Diese Fangstrategie sei bislang einzigartig, schreiben die Forscher um Rafael Silva Oliveira von der Staatlichen Universität Campinas in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. „Soweit wir wissen, ist bislang keine andere fleischfressende Pflanze beschrieben worden, die unterirdische Blätter als Klebefallen einsetzt.“

Silva Oliveira studierten Philcoxia minensis aus der Familie der Wegerichgewächse. Die Art war im Jahr 2000 erstmals beschrieben worden und wächst im Osten Brasiliens auf Sandböden, die nur wenig Nährstoffe bieten. Diese Tatsache, die auf das Nötigste reduzierte Wuchsform und nicht zuletzt die winzigen, oft vom Sand bedeckten und mit Drüsen gespickten Blätter hatten bereits den Verdacht aufkommen lassen, dass sich die Pflanze als Fallenstellerin betätigt.

Foto zeigt Philcoxia als schmale verzweigte Pflanze in weißem Sand, Einschub zeigt EM-Aufnahme mit Sandkorn und Fadenwürmern …, sondern auch bodenbewohnende Fadenwürmer. Foto: (C) PNAS

Die Forscher machten die Probe aufs Exempel, indem sie Flüssigkeit mit winzigen Fadenwürmern – typischen Bodenbewohnern – auf die Blätter träufelten. Die Nematoden hatten zuvor Bakterien zu fressen bekommen, die besonders viel schweren Stickstoff N-15 enthielten. Nach 24 Stunden hatten die Blätter 5 Prozent des isotopenmarkierten Stickstoffs aus den Nematoden aufgenommen, nach 48 Stunden waren es bereits 15 Prozent.

Die hohe Aufnahmegeschwindigkeit belege, dass die Nematoden auf den drüsenbesetzten Blättern aktiv verdaut würden, so Silva Oliveira und Kollegen. Für diese Vermutung spreche auch der Nachweis von Enzymen aus der Gruppe der Phosphatasen auf den Blättern, einem typischen Bestandteil im Sekret fleischfressender Pflanzen. Angesichts der neuen Resultate sei nun auch verständlich, warum die Blätter von Herbariumsexemplaren von Philcoxia minensis oft mit toten Nematoden übersät seien.

Forschung: Caio G. Pereira und Rafael Silva Oliveira, Instituto de Biologia, Universidade Estadual de Campinas, Campinas, und School of Plant Biology, University of Western Australia, Crawley; Peter W. Fritsch, Department of Botany, California Academy of Sciences, San Francisco; und andere

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.1114199109

WWW:
Departamento de Biologia Vegetal, U. E. de Campinas
Fleischfressende Pflanzen

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