Posted in: Biologie, Psychologie 2. Januar 2012 14:55 Weiter lesen →

Überleben – auch eine Frage der Persönlichkeit

Foto zeigt lilafarbenen Seestern mit stämmigen Armen an trockengefallenem Felsstrand Besonders ängstliche Tiere haben nicht automatisch bessere Überlebenschancen. Das belegt ein Experiment, das amerikanische Biologen mit Schnecken und räuberischen Seesternen durchgeführt haben. Ein gewisses Maß an Ignoranz kann demnach sehr wohl von Vorteil sein – je nach Persönlichkeitstyp des Räubers.

Foto: D. Gordon E. Robertson via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Bewegungsfreudige Seesterne erbeuten vornehmlich mutige Schnecken, eher träge Seesterne dagegen besonders viele ängstliche Schnecken, berichten Jonathan Pruitt von der University of California in Davis und seine Kollegen im Fachblatt „American Naturalist“. Nach Ansicht der Forscher könnte dieser Effekt „ein wichtiger Faktor für die Aufrechterhaltung der Variationsbreite innerhalb von Populationen sein“.

Pruitt und Kollegen führten ihre Versuche mit Schwarzen Turbanschnecken (Chlorostoma funebralis) und Ockerseesternen (Pisaster ochraceus) durch, die sie aus Gezeitentümpeln an der kalifornischen Küste gesammelt hatten. Verhaltenstests ergaben, dass einige Schnecken schon beim geringsten Anzeichen eines Räubers aus dem Wasser flüchteten, während andere völlig ungerührt blieben. Bei den Seesternen gab es wiederum sehr aktive und sehr träge Individuen.

Versuchsweise setzen die Forscher je 46 Schnecken und einen Seestern in Freiwasserbecken und ermittelten zwei Wochen später, welche Beutetiere überlebt hatten. Sie fanden, dass die jeweilige „Persönlichkeit“ in der Räuber-Beute-Beziehung eine wichtige Rolle spielte: Offenbar trafen umtriebige Seesterne häufig auf ignorante Schnecken, während flüchtende Schnecken oft trägen Seesternen in die Arme liefen.

Ein ähnlicher Effekt sei bereits aus dem Vergleich verschiedener Räuber- bzw. Beutearten bekannt, erläutert Pruitt. Typischerweise umfasse das Beutespektrum ausharrender, lauernder Räuber besonders viele aktive Beutespezies, während aktiv suchende Räuber auch versteckte oder inaktive Beutetiere aufstöberten. Die neuen Daten zeigten erstmals, dass sich verschiedene Persönlichkeitstypen bei der Interaktion einer einzigen Räuberspezies mit einer einzigen Beutespezies auf ganz ähnliche Weise bemerkbar machen könnten.

Forschung: Jonathan N. Pruitt, John J. Stachowicz und Andrew Sih, Center for Population Biology, University of California, Davis, und Department of Biological Sciences, University of Pittsburgh, Pittsburgh

Veröffentlichung American Naturalist, Februar 2012, DOI 10.1086/663680

WWW:
Center for Population Biology, UC Davis
Pruitt Lab
Animal Personality
Ochre Sea Star
Chlorostoma funebralis

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Robben haben Persönlichkeit
Seesterne lassen sich volllaufen

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