Posted in: Geologie, Physik 2. Januar 2012 19:26 Weiter lesen →

Loch Ness als Wasserwaage

Panoramafoto zeigt beinahe spiegelglatten See zwischen zwei Hügelketten Der Loch Ness fungiert wie eine überdimensionale und hochgenaue Wasserwaage. Entsprechende Messungen haben schottische und portugiesische Forscher durchgeführt. Wenn im nahen Meer die Flut aufläuft und die Erdkruste unter der zusätzlichen Wassermasse nachgibt, gehen die Pegelmessungen an den Enden des 37 Kilometer langen Sees um 1,5 Millimeter auseinander.

Foto: Stefan Goette via Wikimedia.org (Public Domain)

Mit einer Messgenauigkeit von einem Hundertmillionstel sei der Loch Ness „einer der längsten und genauesten Neigungsmesser der Welt“, folgern die Forscher um David Pugh vom National Oceanography Centre in Liverpool. Diese Genauigkeit übertreffe selbst die von GPS-Messungen, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Pugh und Kollegen analysierten Daten von sechs Pegelmessern zwischen Fort Augustus am südwestlichen Ende und Aldourie am nordöstlichen Ende des Loch Ness. Über einen Zeitraum von 201 Tagen registrierten die Geräte alle zehn Minuten den Wasserstand. Die Forscher konzentrierten sich auf die Differenzen zwischen den Geräten und konnten so Niederschläge und den Einfluss eines Pumpspeicherkraftwerks aus ihren Werten herausrechnen. Als Folge erzielten sie eine Messgenauigkeit von 0,1 Millimeter über eine Strecke von 35 Kilometer.

Der Spiegel des Loch Ness liegt deutlich über der Nordsee, zudem ist der schmale See nur indirekt durch einen 13 Kilometer langen Fluss mit dem Meer verbunden. Des ungeachtet konnten Pugh und Kollegen regelmäßige Schwankungen nachweisen, die alle 12,5 Stunden auftraten – exakt im Takt von Ebbe und Flut. Diese Veränderungen waren an den beiden Enden des Sees gegenläufig: Stieg der Spiegel am Südwest-Ende, sank er am Nordost-Ende und umgekehrt.

Verantwortlich für das Phänomen sind die Gezeiten im Meer, bestätigten die Modellrechnungen der Forscher. Das Auflaufen der Wassermassen bei Flut dellt den Untergrund etwas ein, die Entlastung bei Ebbe lässt ihn wieder zurückfedern. Diese Deformation macht sich landeinwärts im Loch Ness bemerkbar: Ähnlich wie in einer Schüssel voller Wasser, die geneigt wird, steigt der Wasserspiegel an seinem einen Ende und geht am anderen zurück.

Forschung: David T. Pugh und Philip L. Woodworth, Proudman Oceanographic Laboratory – National Oceanography Centre, Liverpool; Machiel S. Bos, Centro Interdisciplinar de Investigação Marinha e Ambiental, Universidade do Porto

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 116, C11040, DOI 10.1029/2011JC007411

WWW:
Proudman Oceanographic Laboratory – National Oceanography Centre
CIIMAR, Universidade do Porto
Great Glen Fault & Loch Ness
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