Posted in: Biologie 12. Dezember 2011 21:00 Weiter lesen →

Kam Gehen vor dem Landgang?

Frontalaufnahme eines hellbraun gefärbten, aalförmigen Fischs mit an Barteln erinnernden Brustflossen Als die Ahnen der heutigen Landwirbeltiere das Wasser verließen, hatten sie vielleicht schon eine recht gute Vorstellung vom Laufen. Diese Vermutung äußern amerikanische Forscher nach Beobachtungen an Lungenfischen. Die Tiere sind demnach in der Lage, ihre Bauchflossen nach Art eines Zweibeiners einzusetzen, um über den Boden ihres Wasserbeckens zu schreiten.

Foto: Yen-Chiy Liu/University of Chicago

Diese Art der Fortbewegung sei umso erstaunlicher angesichts des dünnen, eher fadenförmigen Baus der Bauchflossen, erklärt Neil Shubin von der Universität Chicago. „Hätte mir jemand das Skelett dieser Tiere gezeigt und mich dann nach meiner Meinung gefragt, hätte ich gewettet, dass sie nicht laufen können.“ In diesem Fall ermöglichten das geringe Gewicht im Wasser und der zusätzliche Auftrieb durch die Lungen eine Art Gehen aber auch ohne robuste Gliedmaße.

Lungenfische gehören zu den Fleischflossern und bilden damit neben den Quastenflossern eine Schwesterlinie der Landwirbeltiere. Bereits früher war darüber berichtet worden, dass die Fische auf ihren Flossen durch die Vegetation im seichten Wasser laufen können. Belege für dieses Verhalten oder gar systematische Untersuchungen habe es jedoch nicht gegeben, schreiben die Forscher um Shubin und seine Kollegin Heather King in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Seitenansicht eines hellbraun gefärbten aalförmigen Fischs mit an Barteln erinnernden Bauchflossen Foto: Yen-Chiy Liu/University of Chicago

Die Gruppe filmte Afrikanische Lungenfische (Protopterus annectens), wie sich diese über den Boden eines Aquariums bewegten. Die Auswertung der Aufnahmen ergab, dass die Tiere bei mehreren Gelegenheiten die linke und rechte Bauchflosse im Wechsel einsetzten, um sich nach vorne abzudrücken. Der Rest des Körpers schwebte dabei einige Millimeter über dem Boden des Beckens. Zwar setzten die Fische mitunter auch ihre Brustflossen zum Abstoßen ein, dies geschah jedoch nie nach einem regelmäßigen Links-Rechts-Muster.

Die Laufbewegungen des Lungenfischs lieferten „Hinweise darauf, dass diese Eigenart bei den Fleischflossern vorhanden war, noch bevor die Evolution die Landwirbeltiere und mit Zehen versehene Gliedmaßen hervorbrachte“, folgern King, Shubin und Kollegen. Und vielleicht stammten ja auch einige der versteinerten Laufspuren aus dem Devon nicht von frühen Landwirbeltieren, sondern von deren Fisch-Ahnen, spekulieren die Forscher.

Forschung: Heather M. King, Neil H. Shubin, Michael I. Coates und Melina E. Hale, Department of Organismal Biology and Anatomy, University of Chicago

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1118669109

WWW:
Organismal Biology and Anatomy, University of Chicago
Sarcopterygii – From Fins to Legs
The Origin of Tetrapods

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2 Kommentare zu "Kam Gehen vor dem Landgang?"

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  1. Bla sagt:

    Das ist doch auch logisch. Ohne Forbewegung wären die Tiere doch einfach an Land gestorben. Das gehen kann nur vorher da gewesen sein.

  2. Erstling sagt:

    Was heißt denn hier logisch?!

    Baby-Wasser-Schildkröten, beispielsweise können sich auf Sand fortbewegen. Wesentlich schwieriger als im Wasser, aber Sie kommen vorwärts.
    So könnte man sich das doch auch vorstellen.
    Ein Szenario, dass sich „dieses“ Wesen aus dem Wasser an Land gerobbt hat und mit der Zeit evolutionär Füße entwickelt hat, weil das Fortbewegen, wie das Beispiel bei den Schildkröten, ineffizient ist.