Posted in: Biologie 30. November 2011 18:30 Weiter lesen →

Wenn Raben wie kleine Kinder handeln

Ein Rabe zeigt Artgenossen ein Spielzeugauto Kleinkinder zeigen gerne Dinge her, indem sie darauf deuten oder diese in die Höhe halten. Genau jene Art von Gesten beobachteten Wiener Biologen auch an frei lebenden Raben: „Die Vögel nehmen Objekte aus ihrer unmittelbaren Umgebung, etwa einen Stein, ein Hölzchen oder einen Fichtenzapfen in den Schnabel, bauen sich damit vor Artgenossen auf und halten ihnen den Gegenstand vor den Schnabel“, sagt Thomas Bugnyar vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien.

Foto: Ein Rabe zeigt Artgenossen ein Spielzeugauto. Bild: Thomas Bugnyar

Warum tun die Raben das? „Vielleicht, weil sie die anderen auf ein bestimmtes Objekt oder seine Qualität hinweisen möchten. Das ist allerdings unwahrscheinlich, da die angebotenen Dinge sich kaum vom Rest der Umgebung unterscheiden. Zudem sieht man das Verhalten nicht nur von älteren Raben, die eventuell ein Nest bauen könnten, sondern auch von jungen Raben und vor allem im Sommer, außerhalb der Brutzeit. Was das Herzeigen von Objekten jedoch meist bewirkt, sind nette Interaktionen. Es scheint daher darum zu gehen, die Aufmerksamkeit von bestimmten Artgenossen zu ergattern bzw. mit ihnen in Kontakt zu kommen“, meint Bugnyar.

Die anderen Raben wollen das Objekt vom Finder haben. Die anderen Raben wollen das Objekt vom Finder haben. Bild: Thomas Bugnyar

Tatsächlich interessieren sich die Adressaten meist für die angebotenen Dinge – aber nur so lange, bis sie sie selbst haben können. Das ist bei Kindern oft auch nicht anders. „Herzeigen von Dingen könnte somit bei Raben und Kindern eine ähnliche Funktion haben. Allerdings beschränken sich die Vögel hierbei auf spielerische Interaktionen mit meist Gleichaltrigen“, so der Kognitionsbiologie.

Laut Bugnyar gibt es „starke Hinweise darauf, dass Raben logisch handeln und ein langes Erinnerungsvermögen besitzen.“ Der Forscher und seine Kollgin Simone Pika vom Max-Planck-Institut für Ornithologie stellen ihre Beobachtungen an sieben Raben im Magazin „Nature Communications“ vor.

Forschung: Thomas Bugnyar, Simone Pika; in „Nature Communications“, DOI: 10.1038/ncomms1567

WWW:
Veröffentlichung in „Nature Communications“
Department für Kognitionsbiologie, Universität Wien
Max-Planck-Institut für Ornithologie

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