Posted in: Biologie, Psychologie 23. November 2011 19:06 Weiter lesen →

Robben haben Persönlichkeit

Foto zeigt ältere Robbe mit grau geschecktem Fell Schnauze an Schnauze mit einer jüngeren, helleren Auch bei Robben gibt es unterschiedliche Persönlichkeiten. Das haben britische Meeresbiologen bei Versuchen auf einer Insel vor Schottland herausgefunden. Fuhren sie ein ferngesteuertes Auto an Robbenbabys heran, rief dies bei einigen Muttertieren nur einen müden Blick hervor, während andere sichtlich nervös wurden und immer wieder nach ihrem Jungen schauten.

Foto: Durham University

Bei wiederholten Tests blieben sich sämtliche Individuen treu, beobachteten die Forscher um Sean Twiss von der Universität Durham. „Unsere Resultate zeigen, dass so etwas wie eine Durchschnittsrobbe nicht gibt“, so der Forscher. Die individuelle Konsistenz sei ebenso verblüffend wie die große Spannbreite auf Ebene der Population. Einerseits habe es sich stets um die gleiche potenzielle Bedrohung gehandelt, andererseits seien die Robben durchaus lernfähig.

Twiss und Kollegen studierten Kegelrobben (Halichoerus grypus), die ihren Nachwuchs auf der Hebrideninsel North Rona zur Welt bringen und großziehen. Versuchsweise steuerten die Forscher ein ferngesteuertes Auto an insgesamt 26 Weibchen mit je einem vier Tage alten Jungtier heran und studierten die Reaktion.

Einige Robbenmütter untersuchten das Auto nervös aus der Nähe, zeigten sogar Drohgebärden und vergewisserten sich alle paar Sekunden, dass es ihrem Jungen gut ging. Andere blieben dagegen völlig ruhig und begnügten sich mit einem Kontrollblick pro Minute – selbst dann, wenn aus einem Lautsprecher an dem Auto lautes Wolfsgeheul ertönte. Ein zweiter Test einige Tage später lieferte das gleiche Bild. Eine ähnliche Spannbreite und Konsistenz im Verhalten fanden die Forscher bei Tests mit 12 männlichen Kegelrobben.

Auf mehreren Ästen des Tierstammbaums haben Verhaltensforscher Hinweise auf eine Art Persönlichkeit gefunden, beispielsweise bei Weichtieren, Fischen, Vögeln und verschiedenen Säugern. Warum sich im Laufe der Evolution eine solche Spannbreite im Verhalten entwickelt bzw. gehalten habe, sei unklar, so Twiss‘ Kollege Patrick Pomeroy von der Universität St Andrews. Immerhin sei es ja denkbar, dass es für jede Spezies ein gewisses Maß an Nervosität gebe, das den optimalen Kompromiss zwischen genutzten Chancen und gemiedenen Gefahren darstelle.

Forschung: Sean D. Twiss und Ross Culloch, School of Biological and Biomedical Sciences, Durham University, und Patrick P. Pomeroy, Sea Mammal Research Unit, Gatty Marine Laboratory, University of St Andrews

Veröffentlichung Marine Mammal Science, DOI 10.1111/j.1748-7692.2011.00523.x

WWW:
Homepage Sean Twiss, Durham University
Sea Mammal Research Unit, University of St Andrews
Grey Seal
Die Evolution von Persönlichkeit bei Tieren

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