Posted in: Psychologie, Sexualität 18. November 2011 19:56 Weiter lesen →

Guter Blick für nackte Tatsachen

Grafik zeigt zwei farbcodierte, auf Schädel projizierte Potenzialmessungen, eine am Hinterkopf tiefrot, die andere mit dunkelblauen Seiten Seit mehr als 35.000 Jahren hüllen sich Menschen in Kleidung. Teile des Großhirns arbeiten aber noch immer mit dem Bild eines haarlosen Affen, vermuten zwei finnische Neurowissenschaftler. Bei ihren Versuchen riefen Bilder von Menschen eine umso stärkere Reaktion der Hirnströme hervor, je weniger Kleidung die abgelichteten Personen trugen.

Der N170-Ausschlag ist beim Sehen einer nackten Person (rechts) sehr viel stärker ausgeprägt als beim Sehen eines Autos (links). Grafiken: Hietanen JK, Nummenmaa L (2011). PLoS ONE 6(11): e24408. doi:10.1371/ journal.pone.0024408 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Der Ausschlag in der Messkurve war im Falle völlig nackter Körper sogar noch stärker als der beim Anblick von Gesichtern, fanden Jari Hietanen von der Universität Tampere und Lauri Nummenmaa von der Aalto-Universität. Die neuen Resultate ließen vermuten, dass visuelle Reize mit sexueller Bedeutung im Gehirn sehr frühzeitig und besonders effizient verarbeitet würden, schreiben die beiden Forscher im Fachblatt „PLoS ONE“.

Hietanen und Nummenmaa führten ihre Versuche mit insgesamt 47 Männern und Frauen durch. Diese saßen entspannt in einem Sessel, während auf einem Monitor vor ihnen Bilder von Autos, Tieren und Menschen erschienen – letztere entweder in Alltagskleidung, in Badekleidung oder nackt. Dabei wurden die Gehirnströme und die Schweißproduktion der Teilnehmer mit Hautelektroden gemessen.

Besonders interessierten sich die Forscher für einen negativen Ausschlag des elektrischen Potenzials, der ungefähr 170 Millisekunden nach dem Sehen eines Bildes in der Hinterhauptsregion auftritt. Frühere Studien hatten ergeben, dass der als N170 bezeichnete Ausschlag beim Sehen von Gesichtern und Körpern besonders ausgeprägt ist. Hietanan und Nummenmaa überprüften nun die Hypothese, dass das Merkmal durch verhüllende Kleidung wiederum gedämpft wird. Tatsächlich war der N170-Ausschlag umso kleiner, je weniger Haut auf den Bildern zu sehen war. Am kleinsten war er bei Bildern von Autos.

Offenbar werden Bilder mit sexuellem Potenzial schon sehr frühzeitig während der Verarbeitung visueller Reize erkannt, folgern die Forscher. Möglicherweise zeige sich hier ein Eingreifen des Mandelkerns als wichtiger Bewertungsinstanz für eingehende Signale. Vielleicht sei die Sehrinde aber auch in der Lage, den Erregungswert des Gesehenen selbsttätig einzustufen und entsprechende Aktivität auszulösen.

Forschung: Jari K. Hietanen, School of Social Sciences and Humanities, University of Tampere, Tampere, und Lauri Nummenmaa, Brain Research Unit, Aalto University School of Sciences and Technology, Espoo, und Turku PET Centre, University of Turku, Turku

Veröffentlichung PLoS One, Vol. 6(11): e24408, DOI 10.1371/journal.pone.0024408

WWW:
Der Artikel online
Human Information Processing Laboratory, University of Tampere
Brain Research Unit, Aalto University
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