Posted in: Biologie 10. November 2011 18:04 Weiter lesen →

Kopffüßer machen sich unsichtbar

Foto zeigt zwei pummelige Kraken mit Stummelarmen in einem Wasserbecken, der eine nahezu transparent, der andere von großen roten Flecken übersät Tief im Meer, an der Grenze zur ewigen Dunkelheit, wechseln mit den Lichtverhältnissen auch die Anforderungen an die Tarnung. Kleine Kopffüßer meistern diese Herausforderung mit einem bemerkenswerten Trick, haben zwei amerikanische Biologen entdeckt. Werden die Tiere von einem engen Lichtkegel erfasst, wie ihn manche Tiefseefische als Suchscheinwerfer einsetzen, verfinstern sie sich von einem Moment auf den nächsten.

Foto: Sarah Zylinski, Duke University

Die beiden Kopffüßer leben in Wassertiefen von einigen Hundert Metern. Normalerweise seien sie fast völlig transparent, schreiben Sarah Zylinski und Sönke Johnsen von der Duke University im Fachblatt „Current Biology“. Diese Tarnmethode sei ideal, wenn am Tag noch ein Minimum an Licht in die Tiefe dringe und ein Räuber die Konturen seiner Beute vor der hellen Wasseroberfläche ausmachen könne. Gegen Räuber wie etwa die Laternenfische mit ihren scheinwerferartigen Leuchtorganen sei sie jedoch wirkungslos.

„Die Trennlinie zwischen den Bereichen, in denen eine der beiden Strategien am besten funktioniert, ist weder scharf noch hat sie eine feste Lage“, erklären die beiden Forscher. „Sie variiert mit Faktoren wie der Tageszeit, der Wolkenbedeckung und der Wassertrübung.“ Unter diesen Umständen ermögliche eine flexible Tarnstrategie den besten Schutz.

Zylinski und Johnsen beobachteten die Verfinsterung bei dem faustgroßen Kraken Japetella heathi und dem ähnlich großen Kalmar Onychoteuthis banksii. Die Forscher studierten Exemplare, die bei Forschungsfahrten vor Chile und im Golf von Kalifornien unversehrt aus der Tiefsee an Bord geholt worden waren. Bei normaler Zimmerbeleuchtung waren die Tiere transparent. Sobald sie jedoch mit einer Leuchtdiode angestrahlt wurden, überzog sich ihre Haut mit dunkelroten Pigmentflecken, die das einfallende Licht schluckten. Zudem setzten die Tiere zu einer Flucht- bzw. Abwehrreaktion an.

Die plötzliche Färbung kommt zustande, indem kompakte Pigmentbeutelchen in der Haut von winzigen Muskeln flächig auseinandergezogen werden – wie aufklappende Sonnenschirme. Nach Ansicht der Biologen handelt es sich nicht um eine generelle Schreckreaktion auf Hell-Dunkel-Reize. Dafür spreche unter anderem die Beobachtung, dass die Tiere nicht auf langwelliges rotes Licht reagiert hätten, sondern lediglich auf blaues Licht mit einer Wellenlänge von 450 Nanometern. Solches kurzwelliges Licht werde auch in den Leuchtorganen von Fischen produziert.

Forschung: Sarah Zylinski und and Sönke Johnsen, Biology Department, Duke University, Durham

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 21, DOI 10.1016/j.cub.2011.10

WWW:
Johnsen Lab, Duke University
Cephalopod Chromatophore
Bioluminescence in the Deep Ocean

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