Posted in: Psychologie 9. November 2011 14:21 Weiter lesen →

Körperhaltung beeinflusst Denken

Das spitz zulaufende Stahlgerüst des Eiffelturms, schräg aus der Froschperspektive vor tiefblauem Himmel gesehen Menschen in körperlicher Schieflage sehen die Welt mit etwas anderen Augen. Entsprechende Resultate liefern Experimente niederländischer Psychologen. Wurden die Teilnehmer unbewusst nach links aus der aufrechten Stellung gekippt, schätzten sie den Eiffelturm kleiner ein als bei einer leichten Schieflage nach rechts.

Foto: Hjalmar Gerbig via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen liefere der mentale Zahlenstrahl, schreiben Anita Eerland und ihre Kollegen von der Erasmus-Universität Rotterdam im Fachblatt „Psychological Science“. Laut diesem Konzept sortieren Menschen kleinere Zahlen vor ihrem geistigen Auge eher links ein und größere Zahlen eher rechts. „Steht eine Person leicht nach links gelehnt, könnten ihr kleinere Zahlen daher leichter in den Sinn kommen als größere“, vermuten die Forscher.

Eerland und Kollegen führten ihre Experimente mit insgesamt 91 Studierenden durch. Diese stiegen auf eine Druckmessplatte, mit der Videospiele durch Verlagerung des Körpergewichts gesteuert werden können, und absolvierten zunächst ein solches Balancespiel. Das Gerät war allerdings so manipuliert, dass die Teilnehmer unwissentlich eines ihrer Beine rund zwei Prozent stärker belasteten als das andere, wenn sie dachten, sie ständen aufrecht. Nach dem Spiel blieben sie auf der Platte stehen und beantworteten eine Reihe von Schätzfragen, etwa nach der Höhe des Eiffelturms oder dem Kaloriengehalt von Kroketten.

Insgesamt nannten die Teilnehmer bei einer Schieflage nach links kleinere Schätzwerte als bei aufrechter Stellung und als bei Schieflage nach rechts. Im Fall des 324 Meter hohen Eiffelturms betrug die mittlere Differenz beispielsweise 12 Meter. Zwischen aufrechter Stellung und Rechtsneigung war dagegen kein klarer Unterschied feststellbar. Da alle Teilnehmer Rechtshänder gewesen seien, sei es für sie vielleicht ganz normal, das rechte Bein etwas stärker zu belasten als das linke, spekulieren Eerland und ihre Kollegen.

Forschung: Anita Eerland, Tulio M. Guadalupe und Rolf A. Zwaan, Instituut voor Psychologie, Erasmus Universiteit Rotterdam

Veröffentlichung Psychological Science (im Erscheinen)

WWW:
Clinical Cognition Lab, Erasmus Universiteit
The Psychology of Decision Making

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