Posted in: Biologie, Medizin 27. Oktober 2011 23:50 Weiter lesen →

Python-Trick für kräftige Herzen

Nahaufnahme eines großen Python mit Fleckenmuster aus dunkelbraunen, grauen und gelben Schuppen Im Blut zirkulierende Fettsäuren können eine verblüffende Wirkung entfalten. Das haben amerikanische Forscherinnen bei Untersuchungen an Pythons entdeckt. Ein Cocktail aus drei verschiedenen Fettsäuren genügt demnach, um den Schlangen nach einer reichhaltigen Mahlzeit ein regelrechtes Sportlerherz wachsen zu lassen. Dieser Trick funktioniert erstaunlicherweise auch bei Säugetieren.

Foto: Courtesy of Stephen M. Secor

Sollten sich diese Resultate auf den Menschen übertragen lassen, könnte der Effekt vielleicht zur Behandlung von Herzerkrankungen genutzt werden, hoffen Leslie Leinwand von der University of Colorado und ihre Kolleginnen. Nicht alle Herzpatienten könnten trainieren, um ihr Herz zu kräftigen, so die Zellbiologin. „Daher wäre es gut, eine Behandlungsmethode zu finden, die das gesundheitsfördernde Wachstum von Herzzellen anregt.“

Leinwand und Kolleginnen führten ihre Studie mit jungen Tigerpythons (Python molurus) durch. Nach einer einmonatigen Fastenperiode bekamen die Tiere ein Viertel ihrer Körpermasse in Form von Ratten serviert. Nach einer solchen Mahlzeit kann das Herz eines Python binnen weniger Tage um 40 Prozent wachsen, um den extrem beschleunigten Stoffwechsel unterhalten zu können. Diese Hypertrophie kräftigt das Herz – im Gegensatz zu einer pathologischen Vergrößerung, wie sie als Folge eines Infarkts oder chronischen Bluthochdrucks auftreten kann.

Tatsächlich ähnelt das vergrößerte Schlangenherz in mehreren Aspekten einem menschlichen Sportlerherz, berichten die Forscherinnen im Magazin „Science“. Obwohl sich die Spiegel im Blut zirkulierender Triglyzeride und freier Fettsäuren nach der Mahlzeit um ein Vielfaches erhöhten, waren keine Fettansammlungen im Herz zu beobachten. Gleichzeitig stieg die Fähigkeit der Herzmuskelzellen, Fettsäuren aus dem Blut aufzunehmen und zur Energiegewinnung zu nutzen.

Versuchsweise gaben die Forscherinnen etwas Blutplasma eines verdauenden Pythons zu einer Kultur von Herzmuskelzellen einer Ratte. Tatsächlich reagierten die Rattenzellen mit einer ähnlichen Vergrößerung wie jene im Schlangenherz. Weitere Analysen zeigten, dass sich der Effekt durch eine Kombination der drei Fettsäuren Myristinsäure, Palmitinsäure und Palmitoleinsäure auslösen lässt. Werden sie in jenem Konzentrationsverhältnis (ungefähr 5 zu 1 zu 16) injiziert, wie es im Pythonblut am Tag nach der Mahlzeit vorliegt, so wächst auch hungrigen Pythons und selbst Mäusen ein kräftigeres Herz.

„Wir wollen nun herausfinden, welche Signale eine Herzmuskelzelle veranlassen, entweder den pathologischen oder aber den günstigen Weg einzuschlagen“, so Leinwand weiter. In einem eigens gegründeten Unternehmen wollen die Forscherin und ihre Kolleginnen außerdem versuchen, Medikamente auf Basis ihrer Entdeckung zu entwickeln. Einen entsprechenden Patentantrag haben sie bereits gestellt.

Forschung: Cecilia A. Riquelme, Thomas G. Marr und Leslie A. Leinwand, Department of Molecular, Cellular, and Developmental Biology, University of Colorado, und Hiberna Corporation, Boulder; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 334, 28. Oktober 2011, pp 528-31, DOI 10.1126/science.1210558

WWW:
Leslie Leinwand Lab, University of Colorado
Tigerpython
Fettsäuren
Herzinsuffizienz
Herz/Kreislauf und Sport

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Sport hält das Herz jung
Das Herz eines Python
Tomographie: Schlangen beim Verdauen zuschauen

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