Schwertwale machen Urlaub
Mittwoch, 26. Oktober 2011, 1:01 • Rubrik Biologie.
Auch ein Meeresräuber vom Format eines LKW braucht ab und an etwas Erholung in wärmeren Gefilden. Das vermuten zwei amerikanische Meeresbiologen nach Beobachtungen von Schwertwalen im Südpolarmeer. Die Tiere schwimmen gelegentlich mit hoher Geschwindigkeit einige Tausend Kilometer weit bis in die Gewässer vor Brasilien und Uruguay und kurz darauf wieder zurück gen Antarktis.
Foto: Robert L. Pitman, Southwest Fisheries Science Center, NOAA Fisheries Service
Möglicherweise steuern die Schwertwale das wame subtropische Meer an, um ihre Haut zu erneuern, spekulieren John Durban und Robert Pitman von der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA. Dass die Abstecher zur Paarung oder zur Geburt des Nachwuchses dienten, sei dagegen eher unwahrscheinlich, schreiben die beiden Forscher im Fachblatt “Biology Letters”.
Durban und Pitman studierten Schwertwale (Orcinus orca), die im eiskalten Meer westlich der Antarktischen Halbinsel leben und Jagd auf Robben und Pinguine machen. Die Forscher nutzten eine Armbrust, um kleine Satellitensender in den Rückenflossen von elf ausgewachsenen Tieren und einem halbstarken Männchen zu verankern.
In allen Fällen zeigte sich das erwartete Bild von Jägern, die ohne Hast in ihrem Revier umherstreifen. Jene sechs Sender, die mehr als drei Wochen lang Daten lieferten, offenbarten aber noch ein weiteres, von Schwertwalen bislang unbekanntes Verhalten: Die jeweiligen Tiere beschleunigten von gemütlicher Schrittgeschwindigkeit auf zügiges Joggingtempo – von ungefähr 4 auf bis zu 12 Kilometer pro Stunde – und schwammen geradewegs an den Falklandinseln vorbei bis in das Gebiet nördlich des Rio de la Plata. Dort machten sie kehrt und schwammen ebenso schnell wieder zurück. Ein Weibchen, dessen Sender 109 Tage lang arbeitete, bewältigte auf diese Weise eine Strecke von fast 9.400 Kilometern in nur 42 Tagen.
Eventuelle Zwischenstopps, wie sie ausgiebiges Fressen, eine Paarung oder die Geburt eines Kalbs erfordern würden, hätten die Tiere nicht eingelegt, so Durban und Pitman. Zudem könnten neugeborene Schwertwale das von den Alttieren angeschlagene Tempo keinesfalls mitgehen. Die beiden Forscher vermuten daher, dass die Wale die mehr als 20 Grad Celsius warmen Küstengewässer gezielt ansteuern, um zu regenerieren.
In der Antarktis würden nicht selten Schwertwale beobachtet, deren Haut aufgrund eines Bewuchses von Kieselalgen gelbstichig sei, so die Biologen. Be späteren Sichtungen zeigten solche Individuen jedoch wieder ein reines Schwarz-Weiß. Vielleicht dienten die Abstecher in die warmen Gewässer auch dazu, die äußeren Hautschichten zu erneuern, ohne in kaltem Wasser allzu viel Wärme zu verlieren.
Forschung: John W. Durban und Robert L. Pitman, Southwest Fisheries Science Center, National Marine Fisheries Service, National Oceanographic and Atmospheric Administration, La Jolla
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2011.0875
WWW:
Protected Resources Division, NOAA Southwest Fisheries Science Center
Schwertwal
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Die Tierwelt an sich selbst ist etwas wunderbares. Wie das Mensch eigentlich das Inteledentese wessen ist. Die Frage stelle ich mir immer wieder ob wir ein Experiment der Evolution sind.