Posted in: Biologie, Paläontologie 24. Oktober 2011 16:38 Weiter lesen →

Eiszeitliche Einzelgänger

Foto zeigt zwei Mittelfußknochen, der eine mit gefrästem Fenster zum Mark ist bräunlicher und etwas größer als der andere Bis zum Ende der letzten Eiszeit streiften große Löwen auch durch Mitteleuropa. Wie und worauf die Räuber Jagd machten, hat eine internationale Forschergruppe anhand mehrerer Hundert Fossilien untersucht. Höhlenlöwen dürften demnach Einzelgänger gewesen sein und vorwiegend Rentiere gejagt haben – letzteres allerdings nicht ganz freiwillig.

Der Höhlenlöwe war etwas größer als sein moderner Verwandter – erkennbar etwa an den Mittelfußknochen. Foto: Wolfgang Gerber, Universität Tübingen

Grundsätzlich hätten Höhlenlöwen auch Pferde, Bisons und andere Tiere jagen können. Bei der Gestaltung ihres Speisezettels hätten sich die Einzelgänger aber wohl mit im Rudel jagenden Hyänen und mit weiteren Fleischfressern einschließlich des Menschen arrangieren müssen, vermuten Hervé Bocherens von der Universität Tübingen und seine Kollegen.

Höhlenlöwen waren deutlich größer als ihre heutigen afrikanischen Verwandten und lebten bis vor etwa 12.000 Jahren in Mitteleuropa. Bocherens und Kollegen bestimmten den Gehalt verschiedener Kohlenstoff- und Stickstoffisotope in Knochen sowohl der Jäger als auch ihrer potenziellen Beutetiere, die an verschiedenen Orten gefunden worden waren. Welche Beute die Höhlenlöwen konsumierten, konnten die Forscher an dem jeweiligen Anteil der schweren Isotope Kohlenstoff-13 und Stickstoff-15 erkennen.

Foto zeigt Mann mittleren Alters an einem Schreibtisch, vor sich einen Raubtierschädel haltend Hervé Bocherens mit dem Schädel eines modernen Löwen. Foto: Wolfgang Gerber, Universität Tübingen

In den Höhlenlöwen-Knochen fanden sich sehr unterschiedliche Isotopenmuster, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Quaternary International“. Im Gegensatz zu Hyänen mit jeweils sehr ähnlichen Werten hätten die Löwen also vermutlich als Einzelgänger gejagt und gefressen. Ungeachtet individueller Unterschiede dürften Rentiere die Hauptbeute gewesen sein. Und vielleicht habe die Vorliebe für die kälteangepassten Geweihträger dazu beigetragen, dass mit dem Ende der Kaltzeit auch der Höhlenlöwe aus Mitteleuropa verschwunden sei.

Forschung: Hervé Bocherens, Dorothée Drucker und Hans-Peter Uerpmann, Institut für Geowissenschaften und Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Reinhard Ziegler, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart; und andere

Veröffentlichung Quaternary International, DOI 10.1016/j.quaint.2011.02.023

WWW:
Biogeologie, Uni Tübingen
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