Posted in: Ernährung, Genetik 16. September 2011 19:48 Weiter lesen →

Erbgut beeinflusst Kaffeedurst

Nahaufnahme gerösteter, tiefbrauner Kaffeebohnen auf einer Holzunterlage Wie viel Kaffee ein Mensch trinkt, hängt auch von seinen Genen ab. Diese Vermutung bekräftigt eine Untersuchung niederländischer und australischer Forscherinnen. Zwei winzige Erbgutvarianten gehen demnach mit einem höheren Konsum einher – vermutlich, weil sie den Abbau des Koffeins und anderer Inhaltsstoffe und damit die Wirkung des Gebräus beeinflussen.

Foto: Greenraystudio/Alex Upshur via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Im Gegenzug beeinflusst das Koffein die Aktivität mehrerer Hundert Gene, von denen einige mit der Entstehung der Parkinsonschen Krankheit in Verbindung gebracht werden, berichtet die Gruppe um Cornelia van Duijn von der Universität Rotterdam im Fachblatt „Molecular Psychiatry“. Dieses Resultat werfe ein neues Licht auf frühere Befunde, denen zufolge Parkinsonpatienten weniger Kaffee tränken, so die Forscherin. „Nun stellt sich uns die Frage, ob Kaffeekonsum tatsächlich vor Parkinson schützt oder ob jene Gene, die zu einem geringeren Kaffeekonsum beitragen, zufällig auch jene Vorgänge im Körper beeinflussen, die letztlich zu der Erkrankung führen.“

Van Duijn und Kolleginnen sammelten Daten aus acht großen Bevölkerungsstudien, darunter auch zwei Studien mit mehreren Tausend Teilnehmern im Raum Augsburg und in Vorpommern. Insgesamt konnten die Forscherinnen Daten von mehr als 18.000 Personen analysieren, die Angaben zu ihren Lebensgewohnheiten gemacht hatten und deren Genom auf rund 2,6 Millionen Sequenzvarianten untersucht worden war. Die Resultate der statistischen Analyse stellten sie schließlich mit Daten von weiteren 8.000 Personen auf die Probe.

Insgesamt stachen zwei Erbgutpositionen hervor, an denen jeweils ein einziger genetischer Buchstabe variiert. Diese beiden variablen Positionen liegen genau zwischen den Genen CYP1A1 und CYP1A2. Die zwei Gene codieren für Cytochrom-Proteine, die in der Leber am Abbau von aromatischen Kohlenwasserstoffen bzw. Koffein beteiligt sind. Eine der beiden Erbgutvarianten war bereits in früheren Studien mit einem höheren Kaffeekonsum in Verbindung gebracht worden. Nun fanden die Forscherinnen, dass sie auch mit einem leicht erhöhten Blutdruck einhergeht.

Bei ihren Untersuchungen stießen van Duijn und Kolleginnen zudem auf weitere variable Positionen, die mit dem Kaffeekonsum in Verbindung stehen dürften. Eine davon liegt in der Nähe eines Gens mit der Bezeichnung NRCAM, dessen Produkt an der Verknüpfung von Gehirnzellen beteiligt ist. Passend zum Charakter des Koffeins als Droge, werden Varianten des NRCAM-Gens mit einer unterschiedlich ausgeprägten Suchtneigung in Verbindung gebracht.

Forschung: Najaf Amin und Cornelia M. van Duijn, Afdeling Epidemiologie, Erasmus Medisch Centrum, Rotterdam; Enda Byrne und Nick G. Martin, Queensland Institute of Medical Research, Brisbane; und andere

Veröffentlichung Molecular Psychiatry, DOI 10.1038/mp.2011.101

WWW:
Epidemiologie, Erasmus MC
Genetic Epidemiology, Queensland Institute of Medical Research
SNPs: Variations on a Theme
Kaffeeklatsch
Caffeine: A Drug of Abuse?

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