Farbstichige Linse, schlechter Schlaf
Mittwoch, 7. September 2011, 20:06 • Rubrik Gesundheit, Medizin.
Wenn insbesondere ältere Menschen nur noch schlecht schlafen, könnte das auch an ihren Augen liegen. Entsprechende Hinweise haben dänische Mediziner bei einer Studie mit knapp eintausend Teilnehmern erhalten. Diese litten umso eher unter Schlafstörungen, je stärker ihre Augenlinsen im Laufe der Jahre gelbstichig geworden waren.
Foto: National Eye Institute, National Institutes of Health
“Unsere Studie zeigt, dass die altersbedingte Gelbverfärbung der Linse für Schlaflosigkeit im fortgeschrittenen Alter verantwortlich sein könnte, auch wenn sie das Sehen an sich kaum beeinträchtigt”, erklärt Line Kessel vom Glostrup-Hospital der Universität Kopenhagen. Die Forscherin und ihre Kollegen stellen ihre Resultate im Fachblatt “Sleep” vor.
Als Begleiterscheinung des Alterns und als Folge von Krankheiten kann die Augenlinse nicht nur trüb werden, sondern auch gelbstichig. Der blaue Anteil des Tageslichts mit einer Wellenlänge von 450 bis 490 Nanometern kann daher immer schlechter bis zur Netzhaut vordringen und den ungefähr 24-stündigen Rhythmus des Körpers mit dem tatsächlichen Tag-Nacht-Wechsel synchronisieren.
Kessel und Kollegen gingen der Frage nach, ob sich dieser Effekt auf den Schlaf auswirken könnte. Die Mediziner bestimmten dazu die Farbdurchlässigkeit der Linsen von 970 Freiwilligen im Alter von 30 bis 60 Jahren. Zusätzlich befragten sie diese zu Einschlafproblemen und zur Einnahme verschreibungspflichtiger Schlafmittel in den vergangenen zwölf Monaten. Tatsächlich stieg das Risiko für Schlafstörungen mit abnehmender Blaudurchlässigkeit der Linse, ermittelten die Forscher. Der Zusammenhang galt auch unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie Alter und Geschlecht, Zigarettenkonsum und Diabetes.
Derzeit arbeiten Kessel und ihre Gruppe an einer Methode, um Trübungen und Verfärbungen der Linse mithilfe infraroter Laserpulse zu beseitigen. Bis auf Weiteres lasse sich die Durchlässigkeit für blaues Licht aber nur im Rahmen einer Kataraktoperation wiederherstellen, bei der die natürliche Linse durch eine künstliche ersetzt wird, so die Forscherin. Und vielleicht sollten Arzt und Patient nach einer solchen Operation ausprobieren, ob eventuell verschriebene Schlafmittel überhaupt noch nötig seien.
Forschung: Line Kessel und Michael Larsen, Øjenafdelingen, Glostrup Hospital, Københavns Universitet, Glostrup; und andere
Veröffentlichung Sleep, Vol. 34(9), pp 1215-9, DOI 10.5665/sleep.1242
WWW:
Øjenafdelingen, Glostrup Hospital
Wie wir sehen – das Auge
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wie Augen trübe werden
Schlafstörungen durch Augenerkrankungen
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken


(5 Bewertungen, im Schnitt 4,60 von 5)


