Posted in: Gesundheit, Psychologie 1. September 2011 14:12 Weiter lesen →

Stillen macht wehrhaft

Foto zeigt Säugling an der Brust der Mutter Weibliche Säugetiere mit Jungen sind deutlich aggressionsbereiter als Artgenossinnen ohne Nachwuchs. Das gilt auch für den Menschen, zeigt eine kleine Studie amerikanischer und nordirischer Forscher. Wenn man sie reizt, lassen sich stillende Mütter demnach zu härteren Strafaktionen hinreißen als solche, die ihren Säuglingen die Flasche geben.

Foto: Anton Nossik (Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Gemessen an ihrem weniger stark ansteigenden Blutdruck, gehen stillende Mütter zudem kaltblütiger vor, ermittelten Jennifer Hahn-Holbrook von der University of California, Los Angeles, und ihre Kollegen. Zwar wirke sich Stillen bekanntermaßen positiv auf die Gesundheit des Säuglings aus, so die Psychologin. „Offenbar bringt es aber auch einen wenig bekannten Nutzen für die Mutter mit sich.“

Hahn-Holbrook und Kollegen führten ihre Studie mit 55 Frauen durch. Zwanzig davon waren kinderlos, die übrigen hatten zum Zeitpunkt der Studie ein Kind im Säuglingsalter, dem sie die Brust oder Säuglingsnahrung gaben. Alle traten in einem Wettkampf, bei dem es um Reaktionsschnelligkeit ging, gegen eine vermeintliche Studienteilnehmerin an. Tatsächlich handelte es sich um eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, die sich nach Kräften bemühte, die echten Teilnehmerinnen durch rüdes Verhalten zu reizen.

Nach jeder gewonnenen Wettkampfrunde durften die Teilnehmerinnen ihre Gegenspielerin einem unangenehmen Ton aussetzen, dessen Lautstärke und Dauer sie selbst bestimmten. Bei stillenden Müttern fiel diese Bestrafung beinahe doppelt so laut und doppelt so lange aus wie bei nicht stillenden Müttern, berichten die Forscherinnen im Fachblatt „Psychological Science“. Gegenüber den Frauen ohne Kind war der Unterschied sogar noch etwas ausgeprägter.

Trotz dieser stärkeren Reaktion war bei den stillenden Mütter ein um 10 bzw. 12 mm Hg geringerer Anstieg des oberen, systolischen Blutdruckwertes messbar. Nach Ansicht Hahn-Holbrooks und ihrer Kollegen lassen ihre Beobachtungen vermuten, dass das Stillen bei tierischen und bei menschlichen Müttern die typische Stressreaktion auf Bedrohungen und andere belastende Faktoren dämpft. Auf diese Weise wird eine effektivere Gegenreaktion möglich.

Forschung: Jennifer Hahn-Holbrook und Colin Holbrook, Department of Psychology und Department of Anthropology, University of California, Los Angeles; E. Thomas Lawson, Institute of Cognition and Culture, Queen’s University, Belfast; und andere

Veröffentlichung Psychological Science, DOI 10.1177/0956797611420729

WWW:
Center for Behavior, Evolution and Culture, UCLA
Stillen

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