Posted in: Mathematik, Medizin 17. August 2011 09:16 Weiter lesen →

Keine unbedenkliche Dosis bei Prionen

Eingefärbter Mikroskopschnitt zeigt hellrosafarbene Nervenzellen mit dunklen Zellkernen, dazwischen große, stachelig wirkende Kugeln mittlerer Farbintensität Prionen können grundsätzlich in jeder noch so geringen Dosis krank machen. Zu diesem Schluss kommen zwei englische Forscherinnen nach der Analyse von Studien aus den letzten vier Jahrzehnten. Für die Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und von BSE scheint es demnach keinen Schwellenwert zu geben, der für eine folgenschwere Infektion überschritten werden muss. Gleichwohl scheint die Inkubationszeit begrenzt zu sein.

Im Gehirngewebe eines vCJK-Patienten zeigen sich die typischen Proteinablagerungen. Bild: Centers for Disease Control and Prevention/Sherif Zaki; MD; PhD; Wun-Ju Shieh; MD; PhD; MPH

„In den 80er- und 90er-Jahren waren Millionen von Briten dem BSE-Erreger ausgesetzt, bis heute ist jedoch bei weniger als 200 Personen die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit diagnostiziert worden“, erläutern Helen Fryer und Angela McLean von der Universität Oxford. Die neuen Resultate sprächen allerdings gegen die Vermutung, dass häufig die notwendige Mindestdosis nicht erreicht worden sei, schreiben die Forscherinnen im Fachblatt „PLoS ONE“.

Die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) war erstmals im Jahr 1994 in Großbritannien und später auch in anderen Ländern aufgetreten. Bei den Betroffenen bilden sich Proteinablagerungen im Gehirn, die die Nervenzellen schädigen und so letztlich zum Tod führen. Als Auslöser dieses Prozesses gelten falsch gefaltete Prionproteine, die ihre Form normal gefalteten Prionproteinen aufzwängen, sich auf diese Weise lawinenartig vermehren und dann regelrecht verklumpen. Im Fall der vCJK stammten die krank machenden Prionen wahrscheinlich aus Fleisch von Rindern, die mit BSE infiziert waren.

Obwohl die vCJK-Welle inzwischen weitgehend abgeklungen ist, herrscht immer noch Unklarheit bezüglich der zeitlichen Spannweite zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung. Fryer und McLean analysierten nun Daten aus 127 Experimenten, die teils schon zu Beginn der 70er-Jahre durchgeführt worden waren. Dabei waren insgesamt mehr als 4.000 Mäuse mit dem Erreger der bei Schafen auftretenden Prionenerkrankung Scrapie konfrontiert und in der Folge auf Krankheitssymptome untersucht worden.

Die beiden Forscherinnen fanden, dass die gesammelten Versuchsdaten verblüffend gut zu einem einfachen mathematischen Modell passen. Dieses Modell beruht lediglich auf festen Vermehrungs- und Abbauraten der Prionen und beinhaltet keine minimale Infektionsdosis. Demnach wird eine Erkrankung mit sinkender Dosis zwar immer weniger wahrscheinlich, kann aber niemals gänzlich ausgeschlossen werden. Ebenfalls im Widerspruch zu früheren Annahmen dauert es bei sehr niedrigen Infektionsdosen aber nicht automatisch immer länger, bis die Prionen entweder abgebaut sind oder sich unaufhaltsam vermehren. Im Fall der Mäuse schätzen die Forscherinnen die maximale Inkubationszeit auf etwa ein Jahr. Sollten sich diese Resultate auf Menschen übertragen lassen, wären nach der ersten vCJK-Welle keine weiteren Erkrankungswellen zu erwarten.

Forschung: Helen R. Fryer und Angela R. McLean, Institute for Emerging Infections, Department of Zoology, Oxford University, Oxford

Veröffentlichung PLoS ONE, Vol. 6(8), e23664, DOI 10.1371/journal.pone.0023664

WWW:
Institute for Emerging Infections, Oxford University
Prions
Aktuelle Zahlen: vCJK weltweit
Medizin-Nobelpreis 1997

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Zweifel an genetischem „Schutz“ vor vCJK
Lange Inkubationszeiten bei Prionenerkrankung möglich

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