Posted in: Anthropologie, Biologie 8. August 2011 21:00 Weiter lesen →

Spendable Schimpansen

Portraitfoto eines Schimpansen mit graubraunem Fell, hohen Überaugenwülsten, Mittelscheitel Schimpansen sind nicht die Egoisten, für die sie lange gehalten wurden. Das haben amerikanische Forscher erstmals mit Verhaltenstests zeigen können. Vor die Wahl gestellt, ob sie einen Leckerbissen nur für sich erhalten möchten oder ob zusätzlich auch eine Artgenossin bedacht werden soll, entscheiden sich Schimpansinnen überwiegend für die generöse Option.

Foto: Richard/The_Gut via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0 Unported)

Dieses Resultat beseitige den Widerspruch zwischen Freilandbeobachtungen hilfsbereiter Schimpansen und bislang stets negativ verlaufenden Tests, erklärt Frans de Waal von der Emory University in Atlanta. Zugleich wecke es Zweifel an der Vermutung, die ausgeprägte Hilfsbereitschaft des Menschen habe sich erst nach der Trennung von der Schimpansenlinie entwickelt, schreiben der Forscher und seine Kollegen in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Die Forscher um de Waal und seine Kollegin Victoria Horner führten ihre Experimente mit sieben erwachsenen Schimpansinnen (Pan troglodytes) durch, die in dem Primatenforschungszentrum der Universität leben. Bei den Tests zogen die Tiere Plastikröhrchen aus einer Wanne mit unterschiedlich gefärbten Röhrchen. Je nach gezogener Farbe wurden die Röhrchen gegen ein Stück Banane für das handelnde Weibchen oder aber gegen zwei Bananenstücke eingetauscht, von denen das zweite an ein zuschauendes Weibchen ging. Jedes Weibchen wurde je 30 Mal mit drei verschiedenen Zuschauerinnen getestet.

In 53 bis 67 Prozent der Fälle entschied sich das handelnde Weibchen für die generöse Farbe, beobachteten die Forscher. Dabei spielte es keine Rolle, wie häufig die Handelnde und die Zuschauerin im Alltag beieinander hockten und wie eng sie miteinander verwandt waren. Auch der Rangunterschied in der gruppeninternen Hierarchie war ohne Bedeutung, ergab die statistische Analyse. Wurden die Weibchen dagegen alleine – ohne Zuschauerin – getestet, zeigten sie keine Präferenz für die spendable Farbe.

„Ich war schon immer skeptisch gegenüber den negativen Testresultaten und ihrer Interpretation“, so de Waal weiter. Offenbar seien die früheren Verhaltenstests schlicht zu kompliziert oder anderweitig ungeeignet gewesen, die soziale Ader der Schimpansen ans Licht zu bringen, folgert der Forscher.

Forschung: Victoria Horner, Devyn Carter, Malini Suchak und Frans B. M. de Waal, Yerkes National Primate Research Center und Psychology Department, Emory University, Atlanta

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.1111088108

WWW:
Living Links, Emory University
Chimpanzee
Prosocial Behavior

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