Posted in: Biologie, Mathematik 13. Juli 2011 01:01 Weiter lesen →

Quallen auf der Jagd

Foto zeigt Schnorcheltaucher im schwarzen Neoprenanzug in dunkelgrünem Wasser, vor sich eine große helle Qualle mit blumenkohlartigen Mundlappen Quallen lassen sich nicht einfach im Wasser treiben, sondern spüren ihrer Beute aktiv nach. Entsprechende Daten liefert ein Experiment britischer und irischer Meeresbiologen, bei dem einzelne Quallen mit Tiefenmessern versehen wurden. Das häufige Auf und Ab weist die Nesseltiere als umtriebige Räuber aus, deren Suchstrategien mitunter hart am mathematischen Optimum liegen.

Foto: Copyright Gower Coast Adventures

Angesichts solcher Bewegungsmuster erscheine es umso plausibler, dass Quallen die Vorherrschaft in stark überfischten Meeresgebieten übernehmen könnten, schreiben die Forscher um Graeme Hays von der Universität Swansea in den „Proceedings of the Royal Society“. Die Nesseltiere seien offenbar eine stärkere Konkurrenz für Fische als bislang angenommen.

Hays und Kollegen führten ihre Studie in einer großen walisischen Meeresbucht durch, wo sie vom Flugzeug aus Schwärme der Wurzelmundqualle (Rhizostoma octopus) ausmachten. Diese Quallenart mit ihrem mehr als 0,5 Meter breiten Schirm kommt auch in der Nordsee vor, ist für Menschen aber trotz ihrer Größe harmlos. Die Forscher tauchten in den Schwärmen und legten einzelnen Tieren Plastikschlingen um. Daran befestigt waren kaum fingergroße Sensoren, die im Minutentakt Druck und Temperatur registrierten. Von insgesamt 72 Sensoren wurden 25 nach einigen Wochen am Strand wiedergefunden und lieferten ausführliche Daten über das Tauchverhalten ihrer Träger.

Foto zeigt stämmige helle Qualle mit Blumenkohl-Mundlappen in dunkelgrünem Wasser, um den Stiel zwischen Schirm und Mundlappen eine Plastikschlinge mit einem rot-gelben, torpedoförmigen Anhänger Foto: Copyright Gower Coast Adventures

Es zeigte sich, dass die Quallen nur selten träge im Wasser trieben. Meist schwammen die Tiere abwechselnd aufwärts und ließen sich wieder sinken. Im Schnitt brachten sie es so auf 619 Meter Vertikalbewegung pro Tag – und das, obwohl das Wasser in der Bucht weniger als zehn Meter tief ist. Dabei legte jede Qualle ein etwas anderes, im Laufe der Zeit variierendes Bewegungsmuster an den Tag.

In einigen Fällen entsprach das Muster einer Suchstrategie, die als optimal für die Suche nach unregelmäßig verteilter Beute gilt. Die Häufigkeit unterschiedlich langer Bewegungsschritte – in diesem Fall ununterbrochener Auf- bzw. Abwärtsbewegungen – sinkt dabei quadratisch mit der Schrittlänge. Derartige Lévy-Flüge waren bereits bei Meeresräubern wie Haien und Pinguinen sowie bei Fangschiffen beobachtet worden. Nach Ansicht Hays‘ und seiner Kollegen könnte die Evolution ein solches Verhalten auch bei Wirbellosen hervorgebracht haben.

Forschung: Graeme C. Hays, Department of Biosciences, Swansea University, Swansea; Thomas Bastian, Coastal and Marine Research Centre und School of Biological, Earth and Environmental Science, University College Cork, Cobh und Cork; David W. Sims, Marine Biological Association of the UK und Marine Institute, University of Plymouth; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2011.0978

WWW:
Biosciences, Swansea University
EcoJel Project
Wurzelmundqualle
Lévy Flight

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Meeresräuber suchen optimal
Überfischung bringt Quallen an die Macht

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