Posted in: Biologie 7. Juli 2011 18:00 Weiter lesen →

Eisbären mit irischen Wurzeln

Foto eines Eisbären mit weißem zotteligen Fell, gedrungenen Ohren, schwarzer Schnauzenspitze In den Adern der heutigen Eisbären fließt auch etwas irisches Blut. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach einem Vergleich des Erbguts von 242 fossilen und heute lebenden Bären. Die nächsten Verwandten mütterlicherseits aller heutigen Eisbären waren demnach Braunbärinnen, die während der letzten Vereisung der Nordhalbkugel im Bereich Irlands und Britanniens lebten.

Foto: Daniel J. Cox/NaturalExposures.com

In den letzten Jahren ist mehrfach über fruchtbare Mischlinge zwischen beiden Linien berichtet worden. Die neuen Resultate belegten, dass solche Hybridisierungen bereits in der Vergangenheit stattgefunden hätten, erklärt Beth Shapiro von der Pennsylvania State University: „Vor allem in Küstenregionen, in denen sich ein Wandel des Klimas besonders stark auswirkt, trafen Eisbären und Braunbären offenbar immer wieder aufeinander. Und wenn das geschieht, scheinen die Barrieren für eine Paarung niedrig zu sein.“

Frühere Untersuchungen der rein mütterlicherseits vererbten Mitochondrien-DNA hatten vermuten lassen, dass sich die Eisbären vor rudn 150.000 von einer Braunbärenlinie abgespalten haben, die heute auf dem Alexanderarchipel vor Alaska lebt. Für ihre aktuelle Studie nutzte die Gruppe um Shapiro und ihren Kollegen Daniel Bradley vom Trinity College Dublin zusätzliches Material – darunter auch mehr als 10.000 Jahre alte Braunbärenknochen von Irland und mehr als 100.000 Jahre alte Kiefer- und Rippenknochen von Eisbären von Spitzbergen und aus Norwegen. Mit diesem Material ändert sich das Bild völlig, berichten die Forscher im Fachblatt „Current Biology“.

Die alten skandinavischen Eisbären bildeten demnach tatsächlich eine Linie mit den heutigen Braunbären auf dem Alexanderarchipel. Diese Linie ist jedoch nur eine Schwesterlinie der einst auf Irland lebenden Braunbären. Und diese Population scheint vor bis zu 50.000 Jahren die Mitochondrien-DNA zum Erbgut aller heutigen Eisbären beigesteuert zu haben.

Eisbären und Braunbären können also nicht als zwei separate, wohldefinierte Linien angesehen werden, schreiben die Forscher. Vielmehr müsse es in den letzten 100.000 Jahren mindestens zwei Mal zu einem genetischen Austausch zwischen beiden gekommen sein – bedingt möglicherweise dadurch, dass die Eismassen auf der Nordhalbkugel wuchsen und wieder schrumpften und so Braunbären und Eisbären in den Lebensraum des jeweils anderen drängten. Shapiro und Kollegen hoffen, künftig auch das Erbgut aus dem Zellkern untersuchen und so weitere Details dieser wechselhaften Geschichte ermitteln zu können.

Forschung: Ceiridwen J. Edwards und Daniel G. Bradley, Institute of Genetics, Trinity College, University of Dublin, Dublin; Marc A. Suchard, Departments of Biomathematics, Human Geneticsund Biostatistics, University of California, Los Angeles; Beth Shapiro, Department of Biology, Pennsylvania State University, University Park; und andere

Veröffentlichung Current Biology, 7. Juli 2011, DOI 10.1016/j.cub.2011.05.058

WWW:
Smurfit Institute of Genetics, Trinity College Dublin
Shapiro Lab, Pennsylvania State University
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