Genetische Basis für Rückenschmerzen
Mittwoch, 6. Juli 2011, 14:39 • Rubrik Genetik, Gesundheit.
Zumindest bei Frauen sind Rückenschmerzen auch eine Frage der Gene, hat eine internationale Forschergruppe im Rahmen einer Studie mit mehr als zweitausend Zwillingsschwestern ermittelt. Bei eineiigen Zwillingspaaren mit ihrem identischen Erbgut sind demnach häufiger beide Schwestern von Kreuzschmerzen betroffen als bei zweieiigen Paaren.
Foto: Zaheer12a via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)
Die stärkere Verbindung lasse sich zum Teil auf einen ähnlichen Zustand der Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule zurückführen, erklärt Gregory Livshits vom King’s College London und von der Universität Tel Aviv. “Unabhängig davon gibt es aber noch weitere genetische Faktoren, die mit Kreuzschmerzen im Zusammenhang stehen”, so der Forscher.
Die meisten Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben vorübergehend an Rückenschmerzen, bei mindestens einem Viertel treten die Schmerzen allerdings wiederholt auf oder sind von Dauer. Die Gründe sind ebenso vielfältig wie die Behandlungsansätze und reichen von Erkrankungen anderer Organe bis hin zu Fehlhaltungen. Fortgeschrittenes Alter, Übergewicht und bestimmte Berufe zählen zu den bekannten Risikofaktoren.
Um mehr über den Einfluss der Gene zu erfahren, analysierten Livshits und Kollegen die Daten von 2.256 erwachsenen Frauen – darunter 371 eineiige und 698 zweieiige Zwillingspaare. Alle waren körperlich untersucht worden und hatten Fragen zu ihrer Gesundheit beantwortet. Bei einigen Hundert war zudem eine Kernspintomografie durchgeführt worden, anhand derer die Forscher den Zustand der Bandscheiben beurteilten.
Insgesamt 24 Prozent der Frauen hatten schon einmal an Kreuzschmerzen gelitten, die sie mindestens einen Monat lang im Alltag behinderten. Der Prozentsatz war bei eineiigen und zweieiigen Zwillingen insgesamt gleich hoch – nicht jedoch die Häufung innerhalb der Schwesternpaare: Die zweieiige Zwillingsschwester einer Betroffenen war doppelt so häufig ebenfalls betroffen wie rein rechnerisch zu erwarten. Bei eineiigen Zwillingen war der Wert dagegen auf das Sechsfache erhöht, berichten Livshits und Kollegen in den “Annals of the Rheumatic Diseases”. Das Risiko für Kreuzschmerzen werde also auch durch eine erbliche Komponente beeinflusst, die unabhängig von den bereits bekannten Risikofaktoren sei, folgern die Forscher.
Forschung: Gregory Livshits, Timothy Spector und Frances M. K. Williams, Department of Twin Research and Genetic Epidemiology, King’s College London, und Department of Anatomy and Anthropology, Tel Aviv University; und andere
Veröffentlichung Annals of the Rheumatic Diseases, DOI 10.1136/ard.2010.137836
WWW:
Twin Research and Genetic Epidemiology, King’s College London
Anatomy and Anthropology, Tel Aviv University
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Das halte ich doch für eine “sehr gewagte” These.
Sehr viel wahrscheinlicher ist…da Frauen üblicherweise
weniger Sport treiben als Männer, ist ihre Muskulatur
(auch die des Rückens) schwächer. Und eine
schwache(besser: untrainierte) Muskulatur kann
durchaus eine Ursache für Schmerzen sein.
Insbesondere im Rückenbereich…und wenn auch noch
Übergewicht hinzukommt.
@Tut nichts zur Sache: Mit Männern wurde in der Studie doch gar nicht verglichen.
“Tut nichts zur Sache” trifft es wohl in Bezug auf Ihrem Beitrag gut.
In dieser Studie wurden NUR weibliche Zwillingspaare (eineiig – zweieiig) verglichen, und die Häufigkeit des Auftretens von Rückenschmerzen nur innerhalb einer weiblichen Testgruppe verglichen.
Zudem hätte ich gerne einen Beleg dafür, dass Frauen generell weniger Sport treiben. Sehe das rein aus Betrachtung meines Bekanntenkreises anders. Auch, wenn ich weiß, dass Frauen natürlich im Vergleich zu Männern eine andere Veranlagung was Muskelaufbau angeht haben.
Also anhand meiner Familie glaube ich diese These ohne weiteres Hinterfragen – wir haben nämlich alle Rückenprobleme – meine Mutter, meine Oma, ich und meine Schwester und sogar mein Bruder (auch wenn der männlich ist ;) ). Meine Mutter und meine Schwester haben sogar Bandscheibenvorfälle (und meine Schwester ist erst 32 Jahre alt… also noch nicht in dem Alter, in dem so etwas üblicherweise auftritt).
Dass wir unsportlich sind, kann man auch nicht behaupten. Ich tanze seit meinem vierten Lebensjahr und mein Bruder ist Basketballer – allerdings haben wir dennoch beide ebenfalls Probleme (auch wenn die nicht so schlimm sind wie eben von Schwester und Mutter). Wirklich was dagegen tun kann man also kaum. Wir behelfen uns halt mit Massagen, Physiothermkabinensitzungen und dergleichen, aber verhindern kann man es nicht. Wenn ich viel tanze, dann hab ich Rückenschmerzen – musste deshalb sogar mit den Wettkämpfen aufhören.
Die Hoffnung an alldem ist, dass, wenn man jetzt in diese Richtung forscht, man vielleicht auch rausfindet, wie man dem “Ausbruch” vorsorgen kann…
Ich bin auch dazu geneigt, dem Artikel durch einen Vergleich mit meiner Familie recht zu geben. Meine Großmutter hatte große Kreuzwehen, und meine Mutter hat nun Wehen an genau derselben Stelle wie damals meine Großmutter… Allerdings sind diese etwas später eingetreten, ich habe nun (noch) keine Beschwerden in dieser Richtung.
@Darina: das mit der Physiothermkabine finde ich eine super Idee, ich hab sowas mal in einer Therme ausprobiert, aber auf den Gedanken meiner Mutter so eine Therapie vorzuschlagen bin ich noch nicht gekommen. Ich glaube, es wird mal Zeit für ein Mutter-Tochter Wellnesswochenende ;)