Posted in: Biologie, Psychologie 4. Juli 2011 14:02 Weiter lesen →

Fehlende Farben bei Vögeln

Portraitaufnahme eines Stockenten-Erpels mit metallisch blaugrün schimmerndem Kopfgefieder, gelb-orangefarbenem Schnabel Die schiere Farbenpracht der Vögel ist im wahrsten Sinne des Wortes Ansichtssache. Das hat ein englisch-amerikanisches Forscherduo bei der Analyse von beinahe eintausend Gefiederproben ermittelt. Die in den Federn vorkommenden Farben decken demnach nicht einmal ein Drittel jenes Farbraums ab, den das hochentwickelte Vogelauge zu erfassen vermag.

Foto: Roland zh via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

„Für menschliche Augen scheinen Vögel jede erdenkliche Farbe zu zeigen“, erklärt Mary Caswell Stoddard von der Universität Cambridge. „Vögel sehen die Welt jedoch gänzlich anders als wir“, so die Forscherin. Für die nun entdeckte Beschränkung gebe es zwei naheliegende Erklärungen: Vielleicht hätten die Vögel im Laufe ihrer Evolution einfach noch nicht gelernt, die fehlenden Farben zu produzieren. Vielleicht hätten sich manche Farben aber auch als nachteilig erwiesen.

Während es im Auge des Menschen drei Varianten von Farbrezeptoren gibt, besitzen Vögel einen zusätzlichen Rezeptor für den violetten bis ultravioletten Bereich des Spektrums. Stoddard und ihr Kollege Richard Prum von der amerikanischen Yale University haben ein Modell entwickelt, das die Anregung dieses Rezeptor-Ensembles durch Licht verschiedener Wellenlängen beschreibt. Durch dieses mathematische Vogelauge betrachteten die Forscher nun 965 Gefiederproben von insgesamt 111 Vogelarten.

Der von den Federn gebildete Farbraum entspricht demnach bestenfalls 30 Prozent des vom Vogelauge erfassbaren Farbraums, berichten die Forscher im Fachblatt „Behavioral Ecology“. Damit nicht genug, stellen auf Pigmenten basierende Farben, beispielsweise die Rot- und Gelbtöne der Karotinoide, nur ein Viertel des realisierten Farbraums. Den weitaus größeren Teil machen Strukturfarben wie etwa das schillernde Blau der Pfauen aus. Sie entstehen durch die Reflexion und Beugung des Lichts an mikroskopisch kleinen Federstrukturen.

Die Urahnen der heutigen Vögel hätten vermutlich nur auf das Pigment Melanin zurückgreifen können und seien daher auf Brauntöne und Schwarz beschränkt gewesen, so die beiden Forscher. „Evolutionäre Innovationen in Gestalt neuer Pigmente und Strukturfarben ermöglichten es den Vögeln dann, neue Regionen des Farbraums zu erobern“, erläutert Prum. „Auch die menschliche Kleidung war bis zur Einführung der Anilinfarben relativ eintönig.“

Forschung: Mary Caswell Stoddard, Department of Zoology, University of Cambridge, Cambridge, und Richard O. Prum, Department of Ecology and Evolutionary Biology und Peabody Museum of Natural History, Yale University, New Haven

Veröffentlichung Behavioral Ecology, DOI 10.1093/beheco/arr088

WWW:
Behavioural Ecology Group, University of Cambridge
Richard Prum, Yale University
Avian Retina
Farbe

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Nanofasern färben Pinguin
Wie Vögel die Welt (nicht) sehen

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