Posted in: Kurzmeldungen 1. Juli 2011 13:17 Weiter lesen →

Kurzmeldungen am Freitag, 1.7.2011

zeitgenössische Rekonstruktion des antiken Olympia Das antike Olympia könnte durch mehrere, weit ins Land reichende Tsunamis zerstört worden sein. Die weltgrößte Datenbank zu Pflanzeneigenschaften geht online. Und Röntgenstrahlen helfen aufzuklären, welche Farbe das Gefieder fossiler Vögel einst hatte.

Restaurierte Ansicht der Altis von Olympia, 1908 (via Wikipedia)

Olympia, Heiligtum des Zeus und Austragungsort der Olympischen Spiele in der griechischen Antike, soll nach bisherigen Annahmen durch Erdbeben und Flusshochwasser zerstört worden sein. Es könnten aber auch mehrere, weit ins Land reichende Tsunamis verantwortlich sein. Diese These hat jetzt Andreas Vött von der Universität Mainz aufgestellt. Der Geograph erforscht mit Kollegen weiterer deutscher Universitäten Tsunamis, die während der letzten 11.000 Jahre an den Küsten des östlichen Mittelmeers stattgefunden haben.
Olympia wurde einst unter bis zu 8 Metern Sand und anderen Ablagerungen verschüttet und erst vor rund 250 Jahren wiederentdeckt. „Die Zusammensetzung und Mächtigkeit der Sedimente, die wir in Olympia gefunden haben, passen nicht zur Wasserführung und zum geomorphologischen Inventar des Kladeos. Der Bach kann das nicht verursacht haben“, sagt Vött. Seine Untersuchungen deuten darauf hin, dass Olympia in seiner Geschichte mehrfach von großen katastrophischen Fluten betroffen und in diesem Zusammenhang mit Sedimenten überdeckt wurde. Tierische Spuren soll eindeutig auf einen marinen Ursprung hinweisen. „Olympia war in früheren Zeiten auch nicht 22 Kilometer vom Meer entfernt wie heute, sondern die Küste lag mindestens acht, vielleicht auch mehr Kilometer weiter landeinwärts“, sagt Vött. Ein Erdbeben als Ursache scheide schon deshalb aus, weil die umgestürzten Säulen des Zeustempels nicht direkt aufeinander lagen, sondern im Sediment „schwimmend“ gefunden wurden.
Tsunamis sind im östlichen Mittelmeer keine Seltenheit: 1908 kam es zu einem Riesentsunami mit über 100.000 Toten, 1956 wurde in der südlichen Ägäis eine 30 Meter hohe Welle verzeichnet. „Die Auswertung historischer Kataloge hat ergeben, dass sich in Westgriechenland im Durchschnitt alle acht bis elf Jahre ein Tsunami ereignet“, so Vött. (Geographisches Institut, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Projektseite)

Mit TRY ist die weltgrößte Datenbank zu Pflanzeneigenschaften online gegangen. Als gemeinsames Projekt von über 100 internationalen Forschungsinstituten sind in ihr 93 einzelne Datenbanken vereinigt. Betrieben wird TRY vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Die Datenbank enthält derzeit über drei Millionen Einträge zu funktionellen Merkmalen von rund einem Fünftel (70.000) aller bekannten Pflanzenarten. Erfasst wurden Merkmale zu den Schlüsselprozessen Wachstum, Verbreitung, Etablierung und Stresstoleranz. Eine erste Auswertung hat nach Angaben der Initiatoren ergeben, dass die bisher üblichen funktionellen Klassifizierungen nicht ausreichen, um die große Variationsbreite der pflanzlichen Eigenschaften zu erklären.
„Globale Klima- und Vegetationsmodelle unterscheiden etwa 10 funktionelle Pflanzentypen, wie Gräser, Sträucher oder Bäume, die jedoch die beobachteten Variationen der Pflanzeneigenschaften meist nicht erfassen können“, sagt Christian Wirth von der Universität Leipzig. Die Variationsbreite werde im Wesentlichen durch Artunterschiede verursacht; die Artenvielfalt sei damit eine entscheidende Größe für funktionelle Vielseitigkeit und die Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme an sich verändernde Umweltbedingungen. Die Forscher hoffen, ihre Datenbank werde Impulse für die Erforschung der Biodiversität sowie die Verbesserung biologisch fundierter Klimamodelle geben. (TRY Datenbank)

Die ursprüngliche Farbe fossiler Federn kann mit Hilfe von Synchrotron–Röntgenstrahlen rekonstruiert werden. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Magazin „Science“. Es untersuchte die Federn zweier 100 bis 120 Mio. Jahre alter fossiler Vögel. Organische Strukturen sind in derartigen Funden längst nicht mehr nachweisbar, aber metallische Spuren lassen sich mit jenen aus Federn moderner Vögel vergleichen.
Vor allem das Vorkommen von Kupfer interessierte die Forscher, weil es der Verteilung des Pigments Eumelanin entspricht. Eumelanin kommt bei zahlreichen Tieren sowie im menschlichen Haar vor und führt bei Vögeln zu einem dunkelbraunen bis schwarzen Federkleid. Erhöhte Kupferwerte ergab die Röntgen-Untersuchung an Hals, Flügelenden sowie Schwanzfedern der untersuchten Fossilien. Zumindest diese Bereiche müssen also sehr dunkel gewesen sein. Die Färbung des restlichen Federkleides bleibt derweil noch ungeklärt. (Science, Online-Veröffentlichung vom 30.6.2011; Abstract)

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